Bildung: Ein Essay | 
vergrössern | Autor: Hartmut Von Hentig Urheber: Hartmut Von Hentig Verleger: Beltz
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Bewertung: 4 Rezensionen Verkaufsrang: 71188
Medium: Taschenbuch Ausgabe: 7. A. Seiten: 210 Versandgewicht: 0.5 Maße (innen): 8.1 x 5 x 0.6
ISBN: 3407221584 EAN: 9783407221582 ASIN: 3407221584
Publikation: März 20, 2007 Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden
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Sein und Nicht-Sein der "Bildung" Oktober 3, 2008 pl (Siegen) 3 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Was ist eigentlich gemeint, wenn man von Bildung spricht? Definitionen des Woertchens sind ebenso zahlreich wie vage. Definitionen von "Bildung" liegen zumeist zwischen den beiden Polen der materialen und formalen Bildungsvorstellungen. Besitzt man etwa eine materiale Bildungsvorstellung, so subsummiert man also unter den Begriff die Anhaeufung von Wissensgegenstaenden. Ein formales Bildungsverstaendnis bedient hingegen die Vorstellung von Bildung als Lernen von Verfahren zur Aneignung von Welt, oder kurz gesagt - in Schleiermachers Formulierung - als "Lernen des Lernens". Weitere Bildungsvorstellungen gehen von Bildung als "Muendigkeit","Emanzipation" des Menschen aus oder sprechen von einer "Erziehung auf hoeherer Stufe". All diese ehernen Vorstellungen von Bildung werden von v. Hentig nicht einfach abgelehnt. Er entwickelt im Laufe seiner Abhandlung in fuenf Abschnitten ein eigenes Verstaendnis des Begriffs, er gibt ihm - wie von Hentig selber betont - seine "Kleider". In einem ersten Abschnitt werden erst einmal die "gelaeufigen Fragen" nach Bildungsguetern und Bildungsgegenstaenden beleuchtet. Dabei wird schnell klar, dass - als ein Dilemma - die Findung eines angemessenen Bildungsbegriffs haeufig schon daran scheitert, dass die falschen Fragen gestellt werden; wie die danach, was Bildung im oekonomischen Sinne zu leisten vermag. Bildung besitzt einen Eigenwert. In einem zweiten Abschnitt wird dann Bildung von falschen Implikationen bereinigt und ganz rudimentaer definiert als Prozess, durch den etwas Gestalt annimmt. Diese Formulierung ist sehr allgemein; und daher bedarf es "moeglicher Massstaebe", an denen sich Bildung bewaehren muss. Diese Massstaebe sind allerdings nicht zu verwechseln mit etwaigen Bildungsstandards, Schluesselqualifikationen oder Gegenstaenen, Schwierigkeitgraden etc.; d.h. sie sind nicht von Natur aus gegeben, sondern sie sollen vor allem plausibel sein. Massstaebe sind im Sinne Hentigs das "woran sich Bildung bewaehrt". Der Autor formuliert insgesamt sechs Massstaebe und zwar: a) Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit; b) die Wahrnehmung von Glueck; c) die Faehigkeit und den Willen, sich zu verstaendigen; d) ein Bewusstsein von geschichtlichkeit der eigenen Existenz; e) Wachheit fuer letzte Fragen; f) die Bereitschaft zur Selbsverantwortung und Verantwortung in der res publica. Der anschliessende Abschnitt zeigt dann Anlaesse, Quellen und Mittel einer Bildung auf, die solchen oben genannten Massstaeben genuegt. Dabei handelt es sich zur Ueberraschung vieler um ganz alltaegliche und normale Lebenstaetigkeiten; Hentig nennt zehn. Damit moechte der Autor nicht etwa eine Abkehr von der Schule erreichen, sondern schreibt auch den Bildungseinrichtungen die Chance zu, die zehn Lebenstaetigkeiten zu realisieren. Dafuer geht er in einem letzten grossen Abschnitt auf die wuenschenswerten Folgerungen fuer die Schulpraxis ein und entwickelt anhand seines Bildungsbegriffs vier zentrale Forderungen fuer die Schule. Das Essay insgesamt ist sehr anspruchsvoll gehalten, es ist aber gleichzeitig auch gepraegt von der Schulpraxis des Autoren; v.a. mit der Bielefelder Laborschule und dem Oberstufenkolleg des Landes NRW. Dennoch ist es eine ansprechende Moeglichkeit, das eigene Bildungsverstaendnis zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Jenseits dieser Welt August 1, 2002 Michael Elster 8 aus 24 fanden die folgende Rezension hilfreich
Hentigs Essay "Bildung" dreht sich um die fundamentale Frage, was Bildung sei. Sein Buch ist nicht zugleich als Lehrbuch wie etwa die "Bildung" von Schwanitz zu verstehen. Es sind uebergeordnete, philosophisch-paedagogisch-moralische Reflexionen ueber den Bildungsbegriff. Dies ergibt den Vorteil, dass Hentigs Aussagen in der Hauptsache kaum Widersprueche auf sich ziehen koennen, alles erscheint wohlueberlegt und "weise". Dummerweise scheint Hentig aber auch ueber unserer unvollkommenen Realitaet zu schweben, sodass das Buch keinesfalls als Ratgeber fuer die Praxis geeignet ist. Seine Hauptaussage lautet "Bildung ist sich bilden", womit bereits klar wird, dass es nur zum Teil um Schule und Schulbildung geht. Nicht die Schule ist es, um welche Hentigs Gedanken in diesem Essay kreisen, sondern der zu bildende Mensch. Kritisch ist anzumerken, dass Hentig meiner Meinung nach sich in einigen Gedanken in einer voellig anderen Lebenswirklichkeit zu befinden scheint als heutige Jugendliche (was eingedenk seines hohen Alters - er geht auf die Ende 70 zu - nicht wundert). Als Beleg sei dafuer seine Behauptung angefuehrt, dass das fuenfte Bier doch wohl nichts gegen den fuenften Gesang der Odyssee sei. Das mag bei ihm stimmen, aber selbst ich sehe das etwas anders, dabei zaehle ich auch bereits 25 Jahre! Zusammenfassung: ein etwas abgehobener Gedankengang rund um die Bildung; interessant, gibt jedoch fuer Praktiker kaum etwas her.
Bildung zwischen Gesellschaft und Schulalltag März 18, 2001 12 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich
Bildung ist zur Zeit wieder ein viel diskutierter Begriff. Von Hentig versucht diesen Tatbestand, den gesellschaftlichen bzw. politischen Einfluss, darzustellen. Fuer ihn spielen andere Wege zum unterrichtlichen Alltag eine grosse Rolle. Er zeigt jedoch auch neben seiner Kritik an der Bildungspolitik in Deutschland die Chancen der schulischen Bildung, d.i. die Faecherkombinationen und deren Curricula, auf. Er zeigt Diskrepanzen zwischen z.B. Qualifikation und Bildung auf. Bisweilen ist der Text schwierig zu verstehen. Ein guter Leitfaden sind die 14 Saetze, in die dasBuch eingeteilt ist.
Eine Bilanz, ein Paradigmen-Angebot und eine Anleitung,... Februar 4, 2001 14 aus 14 fanden die folgende Rezension hilfreich
Herr Harmut von Hentig schrieb dieses Buch, weil fuer ihn Bildung nicht nur wichtiger als der „Jaeger 90", die Schwebebahn und der Ausbau des Autobahnnetzes sei, sie ist auch wichtiger als die uns gewohnte Veranstaltung Schule. Seine Antwort auf die behauptete oder tatsaechliche Orientierungslosigkeit heisst Bildung - nicht Wissenschaft, nicht Information, nicht die Kommunikationsgesellschaft, nicht moralische Aufruestung, nicht Ordnungsstaat, nicht ein Mehr an Selbsterfahrungen und Gruppendynamik und nicht die angestrengte Suche nach Identitaet. Von Hentigs Anliegen ist, dass sein Gegenstand „Bildung" mir zunaechst nackt und bloss erscheint, unverhuellt „durch den Kult ihrer Priester und den Hohn ihrer Veraechter, ein Findling, der Neugier und Nachdenklichkeit weckt, ein Begriff, den man erst bilden muss, nicht heraushauen aus dem Gestruepp von Dogmatik und Polemik". Dem Autor gelingt es dann, dem Begriff „Bildung" Kleidung anzupassen, die schuetzt, zweckmaessig und am Ende sogar schmueckend genannt werden darf. Dieses Vorhaben vollzieht der Autor in 5 Abschnitten: Zuerst stellt er sich die gelaeufigen Fragen nach den Bildungsgegenstaenden und -guetern, den Bildungsmustern und -verfahren, dem leitenden Menschenbild und dem Bildungsideal. Fragen, „die wir zu fragen" pflegen, im doppelten Sinne des Wortes. Dann geht er auf notwendige Klaerungen ein, ein Versuch, Bildung in einfache Elemente auseinanderzulegen. Im dritten Abschnitt wagt er sich an moegliche Massstaebe heran, an denen sich Bildung beweisen und bewaehren muss. Im Abschnitt 4 fuehrt H. von Hentig eine Reihe von geeigneten Anlaessen an, Quellen und Mittel einer Bildung, die den genannten Massstaeben genuegen wird. Der letzte Abschnitt befasst sich mit den wuenschenswerten Folgerungen fuer die gegenwaertige Schulpraxis, vornehmlich die Unterrichtsfaecher. Sein Schlusswort ist sogleich ein Anfang. Auf jeden Fall spricht Hartmut von Hentig dagegen, dass Schule in der Rolle einer Belehrungs-, Pruefungs- und Berechtigungsanstalt abgleitet und die von ihr zu erwartende zivilisierende Wirkung immer weniger erreicht. Er moechte allerdings auch keine Schule, die ausschliesslich Sozialpaedagogik vertritt und praktiziert. Denn aus beiden Schultypen werden keine Menschen hervorgehen, die sich zutrauen die Verhaeltnisse zu beurteilen und zu veraendern. Ich bin davon ueberzeugt, dass mit Hilfe dieser Veroeffentlichung Schule neu gedacht werden wird. Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis: - Gelaeufige Fragen - Notwendige Klaerungen - Moegliche Massstaebe - Wuenschenswerte Folgen Dr. Karl-J. Kluge
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