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Herzzeit: Ingeborg Bachmann - Paul Celan. Der Briefwechsel | 
vergrössern | Autoren: Ingeborg Bachmann, Paul Celan Urheber: Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Bertrand Badiou, Hans Hoeller, Andrea Stoll, Barbara Wiedemann Verleger: Suhrkamp
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Medium: Gebundene Ausgabe Ausgabe: 5., Aufl. Seiten: 401 Versandgewicht: 1.3 Maße (innen): 8.4 x 5.2 x 1.1
ISBN: 351842033X EAN: 9783518420331 ASIN: 351842033X
Publikation: November 7, 2008 (Neu: Letztes 30 Tage) Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden
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| Redaktionelle Rezensionen:
Aus der Amazon.de-Redaktion Den Eltern offenbart sie als Ersten brieflich ihr Erlebnis bei Wiener Freunden, wo sie a a den bekannten Lyriker Paul Celan etwas ins Auge“ gefasst hatte, wie sie fast beilA ufig anmerkt. Die erste Begegnung der beiden bedeutendsten Vertreter deutschsprachiger Nachkriegslyrik hatte sich bereits einige Tage zuvor, im Mai 1948, zugetragen. Der a surrealistische Lyriker [a ] hat sich herrlicherweise in mich verliebt“, erfuhren die vermutlich nicht gering staunenden Eltern, verlieh dieser Umstand ihrer Tochter a bei meiner A den Arbeiterei doch etwas WA rze.“ Vermutlich eine Untertreibung. Bald nach diesem ersten Treffen rief sich ein beeindruckter Paul Celan mit dem Gedicht a In Aegypten“ in Erinnerung, das er Ingeborg Bachmann, a der peinlich Genauen“, liebevoll zugeeignet hatte. Mit diesem Briefgedicht, oder Gedichtbrief, war er erA ffnet, der funkelnde Briefwechsel, der in diesem BA cherherbst wohl kaum eine Kritikerseele unberA hrt lieA ! Man sollte sich alle Zeit der Welt nehmen – die Texte werden es dankend zurA ckgeben -, dieser Liebesbeziehung, die so inniglich um Wort und Ausdruck kA mpfte, und A ber der lange Zeit der Nebel der Unklarheit hing, in ihre unauslotbaren Tiefen zu folgen. Zwei Biografien kollidierten, wie sie unterschiedlicher nicht hA tten sein kA nnen. Hier die Philosophiestudentin und Tochter eines A sterreichischen NSDAP-Mitglieds der ersten Stunde. Dort der staatenlose Jude aus Czernowitz, der beide Eltern im KZ verloren und selbst das rumA nische Arbeitslager A berlebt hatte. Und der sich nun als jA discher Dichter vor der schier unlA sbaren Aufgabe sah, angesichts der Ungeheuerlichkeit des Holocaust in die deutsche Sprache, ja ins deutsche Gedicht zurA ckzufinden. Ein wahrhaft dunkler Pfada a A ber den auch diese Briefbeziehung oft genug stolpert. Oft genug mA ndet jedes liebe Wort in Irrungen und MissverstA ndnissen. Der Parcours zweier Sprachgewaltiger, zeigt sich nicht selten als Sprachlosigkeit auf hohem Niveau, als naives NichtsagenkA nnen. Und immer wieder Vorzeichen der Krankheit und Depression. Sprachlich Misslungenes wird zerstA rt, geht auf immer verloren. Was A berlebt, wird zur literarischen Kostbarkeit. Max Frisch, Hans Werner Henze, die groA en Geliebten tauchen auf. Auf der anderen Seite tritt GisA le Celan-Lestrange in den Briefwechsel ein. Die berA hmten Lesungen in der Gruppe 47. Und - es kA ndigt sich ein Rollentausch an: Literarisch aufgeblA ht, wA chst bei Bachmann auch das Selbstbewusstsein. Sanft beginnt sie den groA en Meister der a Todesfuge“ zu A berholen, A bernimmt die FA hrungsrolle. Zwei Besessene, denen a die Grenzen zwischen Literatur und Wirklichkeit aufgehoben sind“, wie der Rezensent der Neuen ZA rcher Zeitung zutreffend befand. Deren bester Freund und A rgster QuA lgeist der Schmerz war. Paul Celan wA hlte im April 1970 den Freitod, Ingeborg Bachmann folgte ihm drei Jahre spA ter in einem Hotelzimmer in Rom. In diesem Briefband grA A en sie noch einmal aus der Ferne. Und sind plA tzlich so nah. –Ravi Unger
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| Kundenrezensionen:
Ueberraschende Ueberraschung November 23, 2008 Marcus Held (Berlin) Der als Sensation gefeierte Briefwechsel wird viele zunaechst ernuechtern. Es geht hier nicht um die Offenlegung von Geluesten und geheimen Wuenschen, der Seelennoete der beiden wohl groessten deutschen Lyriker der Gegenwart. Dies ist wohl die Enttaeuschung des als Sensation gefeierten Briefwechsels. Die Sensation des Briefwechsels liegt m.E. in der nach ihrer Sprache suchenden Lyriker, ihr tastendes Befinden und entdeckende Talent beim Anderen, sowie die Intensitaet ihrer Suche in ihrer ungleichzeitigen Gleichzeitigkeit. Es gelingt ihnen nie eine gemeinsame Sprache zu finden, obgleich die Sprache und ihre Bilder im Werk des jeweils anderen eine Aufnahme und Antwort finden. Aber auch hier eine ungleichzeitige Gleichzeitigkeit, die die gemeinsame Liebe als schon in den Anfaengen zum Scheitern bedrohte Liebe offenbart. Und dies ist vielleicht die groesste Ueberraschung des Briefwechsels. Die kaum zu uebertreffende Intensitaet der Auseinandersetzung und des Wechselspiels von Rede und Antwort im Werk der beiden, die die Notwendigkeit eines brieflichen Austausches ueber Banalitaeten des Alltags und der Gefuehle ueberwunden hat. Der Briefwechsel wirkt ausser an ein paar wenigen Stellen der aufscheinenden Sprachgewalt fast klinisch-formalistisch und weist zugleich auf die Notwendigkeit nach der Spurenlese im Werk des Anderen hin. Der Briefwechsel ist kein Psychogramm von Bachmann und Celan, sondern laedt zur Entdeckungsreise und das Aufsuchen der Orte ihrer jeweiligen Literatur ein, in der Celan und Bachmann den Anderen entdecken. Dies ist die ueberraschende Ueberraschung des Briefwechsels, der fuer mich nichts mit einer Sensation und Sensationslust zu tun hat, sondern das Geheimnis der Liebe unter Wahrung des Briefgeheimnisses belaesst.
......der staendig beleidigte paul celan Oktober 21, 2008 Josef Fromholzer (berlin) 4 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Vergleicht man diesen Briefwechsel Ingeborg Bachmanns mit Paul Celan mit dem zuletzt erschienen Briefwechsel der Bachmann (mit dem Komponisten Hans Werner Henze!), so stellt man sehr schnell fest, dass die Briefe Celans nicht den Unterhaltungswert besitzen, wie die des Komponisten Hans Werner Henze. Schon nach wenigen Briefen nerven das staendige "beleidigt sein" und die unertraegliche Selbstverliebtheit Celans. Somit wird auch das Leiden der Bachmann an dieser Beziehung fuer den Leser greif- und fuehlbar. Dass die Verbindung der beiden dann doch so lange, ueber mehrere Jahrzente gedauert hatte, ist ein kleines Wunder. Der eigentliche Briefwechsel macht im Gesamtvolumen dieses sehr schoenen Suhrkamp-Bandes, nicht einmal die Haelfte aus.
Ihr Uhren tief in uns Oktober 15, 2008 Guenter Nawe (Koeln) 7 aus 9 fanden die folgende Rezension hilfreich
Sie haben sich im Mai 1948 in Wien kennen gelernt: die Philosophiestudentin Ingeborg Bachmann und der staatenlose Jude Paul Celan aus Czernowitz. "Der surrealistische Dichter ...hat sich...in mich verliebt...", schreibt sie ihren Eltern. Und an Paul: "...und nehm Deinen fremden, dunklen Kopf zwischen meine Haende und moechte Dir Steine von der Brust schieben, Deine Hand mit den Nelken freimachen und Dich singen hoeren". Er - ganz Dichter - eroeffnet den Briefwechsel mit dem wunderbaren Gedicht "In Aegypten", in dem bereits alles das anklingt, was sein Leben bedeuten sollte. Er nimmt die Geliebte mit hinein in seine Juedischkeit. "Du sollst die Fremde neben dir am schoensten schmuecken /...mit dem Schmerz um Ruth, um Mirjam und Noemi..." heisst es da. Dieser Briefwechsel - er waehrte vom Mai 1948 bis Herbst 1967 und wird ergaenzt um die Korrespondenz zwischen Paul Celan und Max Frisch und Ingeborg Bachmann und Gisele Celan-Lestrange - ist ein Dokument einer ganz grossen und sehr schmerzlichen Liebe, ein Dokument der Hingabe, der Trennung, des Sich-Wieder-Findens, ein dramatisches und bewegendes, ja, beruehrendes Lebenszeugnis. In den Kontext zum Briefwechsel gehoert auch Celans Gedichtband "Mohn und Gedaechtnis" mit der beruehmten "Todesfuge" (1952). Lange wurde geraetselt, was es mit dieser Liebe der beiden bedeutenden Dichter auf sich hatte, wie diese Beziehung sich in Werk und Leben der beiden niedergeschlagen hat. Endlich haben wir Klarheit. Begonnen hatte die Beziehung am 20. Mai 1948 in Wien. Wenige persoenliche Treffen waren danach zu verzeichnen: Ende 1950 war Ingeborg Bachmann etwas zwei Monate bei Celan in Paris, ein weiteres Mal im Februar/Maerz 1951 fuer ein paar Tage; im Maerz 1952 haben sie sich bei der Tagung der Gruppe 47 getroffen. Jahre des Schweigens folgten. Erst 1957 dann eine weitere persoenlichen Begegnung, so in Koeln. Hier kam es zu einem Neubeginn der Beziehung. Lyrische Beweise: das Gedicht "Rheinufer" von Ingeborg Bachmann ("Wasserstunde, der Schuttkahn/faehrt uns zu Abend...". Und Paul Celan "antwortete" mit dem wunderbaren Gedicht "Koeln: Am Hof" ("Herzzeit, es stehn/die Getraeumten fuer/die Mitternachtssziffer...Ihr Dome ungesehn,/ihr Wasser unbelauscht,/ihr Uhren tief in uns"). Die kommenden Treffen wurden jedoch bald spaerlicher, ein letzter Brief dann Ende 1961. Der Versuch eines gemeinsamen Lebens in Paris oder anderswo scheiterte, musste scheitern. Sie haben sich "gegenseitig die Luft genommen".Und doch: die Bachmann kaempfte um Paul, wenn auch letztlich vergebens. Sie schreibt von der "grossen Sehnsucht nach ein wenig Geborgenheit" und "Du warst...beides fuer mich: das Sinnliche und das Geistige". Natuerlich war diese Beziehung nicht nur eine Privatsache. Hat sie doch etwas mit dem historischen Verhaengnis zu tun, das die Bachmann nur als indirekt Betroffene, Celan als direkt Betroffener, als Opfer (er hat seine Eltern im KZ verloren), als das er sich sein ganzes Leben lang gefuehlt hat: traumatisiert und staendig verfolgt, erlebt und erlitten hat. Dazu sein "Niedergeschlagenheit ueber die politischen Zustaende in Deutschland". Das hat auch etwas mit der Goll-Affaere zu tun. Celan habe von Yvan Goll "abgeschrieben". Ungewollt ist diese Geschichte von dem Literaturwissenschaftler Richard Exner ausgeloest worden; von Claire Goll wurde ein einfacher Vergleich dann instrumentalisiert und so zu einer Affaere, die fuer Celan zu einem lebensbestimmenden Thema wurde. Immer wieder nahm er in seinen Briefen Bezug darauf, bat darum, forderte, eindeutig fuer ihn Stellung zu beziehen. Ingeborg Bachmann versuchte zu helfen, zu vermitteln, auch zu beschwichtigen. Paul Celan war nicht zu beruhigen und uebertrug die Affaere auf die gesamte politische Befindlichkeit der jungen Bundesrepublik. Der Plagiatsvorwurf sei infam man suche die Veroeffentlichung seiner Gedicht zu hintertreiben, Boell habe ihn hintergangen, Max Frisch ebenfalls, die Stimmung sei durchgaengig gegen ihn. Hier spielte sich ein Drama von antikischem Ausmass und grosser literarischer und geschichtlicher Dimension ab. Am Ende starb Paul Celan, der sich am 20. April 1970 in Paris das Leben nahm, auch daran. Und Ingeborg Bachmann? Am 17. Oktober 1973 verstarb sie nach einem tragischen Brandunfall in Rom. I
Die Liebe war zu tief August 22, 2008 Dr. Alberts (Bremen) 34 aus 39 fanden die folgende Rezension hilfreich
Briefe zwischen 1948 und 1967. Ingeborg Bachmann schwaermte, der surrealistische Lyriker Paul Celan habe sich herrlicherweise in sie verliebt. "Kurz waehrte das eigentliche Liebesglueck; es faellt ins Jahr 1948; nach dem Ende blieb zunaechst Freundschaft, es gab ein Wiederaufflammen im Jahr 1957 und dann ein bitteres Ende, als Bachmann Celan nicht in der gewuenschten Form gegen eine vom Dichter als antisemitisch empfundene Kritik Guenter Bloeckers in Schutz nahm." "Ich liebe dich-ich will dich nicht lieben" Im DSM IV wird die borderline-Stoerung u.a. so charakterisiert:"Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist." Vieles , von dem , was man hier lesen kann, scheint diesem Muster zu entsprechen. Cioran schreibt ueber diese Beziehung: " Celan war kein Mensch, sondern eine blutende Wunde". Zwei Menschen, die sehr tief fuehlen, diese Tiefe in dunkle Worte fassen koennen, treffen aufeinander, begegnen sich in dieser Tiefe, ohne sie wirklich leben zu koennen. Das , was sie als Dichter erfassen, koennen sie als Menschen nicht leben. Davon zeugen viele Briefstellen. Es ist klar, dass dieses Gefuehl nicht durch Freundschaft ersetzt werden kann, es ist klar, dass " belanglose,oberflaechliche Begegnungen" sie noch ungluecklicher machen. Diese sind nicht die angemessene Form fuer die Verbindung dieser beiden Seelen. Nach Aufenthalten in der Psychatrie bringt Celan sich 1970 um, drei Jahre spaeter verbrennt Ingeborg Bachmann in Rom "Unter Einfluss von Schlaftabletten entgeht ihr, dass eine Zigarette Feuer gefangen hat. Ingeborg Bachmann stirbt am 17. Oktober 1973 an den Folgen ihrer schweren Brandverletzungen." Zwei Menschen, die dem Leben nicht gewachsen waren, zwei Menschen, die der Tiefe ihrer Gefuehle fuereinander nicht gewachsen waren. Bei aller Kritik an der Edition ( Klippschulstil, Peter Hamm in der ZEIT), ist dies ein beeindruckendes Dokument ueber die Groesse der Gefuehle und deren Scheitern im alltaeglichen Leben.
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