Unterwegs verloren | 
vergrössern | Autor: Ruth Klueger Urheber: Ruth Klueger Verleger: ZSOLNAY-VERLAG
Kaufen Neu: EUR 19,90
Neu (74) Gebraucht (3) ab EUR 14,99
Bewertung: 4 Rezensionen Verkaufsrang: 1287
Medium: Gebundene Ausgabe Ausgabe: 1 Seiten: 256 Versandgewicht: 0.8 Maße (innen): 8.2 x 5.2 x 1
ISBN: 3552054413 EAN: 9783552054417 ASIN: 3552054413
Publikation: August 20, 2008 Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden
| |
| Ähnliche Artikel:
|
| Kundenrezensionen:
Bad November 11, 2008 Robert Fischer (Muenchen, Germany) 1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dies ist das Buch einer boesen alten Frau. Und um nicht missverstanden zu werden: Genau das ist auch das Gute daran. Denn hier ist jemand erkennbar nicht mit sich "im Reinen", nicht gewillt, erinnerungsselig Anekdoetchen zum Besten zu geben; sondern hier werden offen gebliebene Rechnungen beglichen. Da bleibt ein Hauch von Unversoehnlichem, der an manchen Stellen schwer ertraeglich waere, wuerde die Autorin nicht sich selbst ebenso ungeschminkt praesentieren wie ihre Umwelt. Dass es vorzugsweise, aber nicht nur, Maenner sind, gegen die sich ihre Wut richtet, sollte fuer eben diese kein Grund sein, das Buch nicht zu lesen - im Gegenteil. Denn hinter der unerbittlich scheinenden Fassade wird eine in hohem Masse verletzliche, verletzte Persoenlichkeit sichtbar, deren Schicksal auch dann anruehren wuerde, wenn man vom "Urgrund" ihrer Verletzung nichts wuesste.
Das literarische Zeugnis einer Frau, deren Leben immer wieder aus Trennungen von Menschen und Orten bestand September 3, 2008 hasenpupspapa (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) 15 aus 19 fanden die folgende Rezension hilfreich
In "weiter leben", ihrem autobiographischen Ueberlebensbuch erzaehlte die Autorin Ruth Klueger 1992 die bewegende und dramatische Geschichte eines Ueberlebens. Dieses Buch ragte unter den vielen anderen lesenswerten Buechern von Ueberlebenden des Holocausts noch heraus und wurde vielleicht auch deswegen mittlerweile in zehn Sprachen uebersetzt. Sie erzaehlte damals, wie viele andere auch seltsam nuechtern und distanziert, ohne viel Emotion und Leidenschaft, wie sie als junges Maedchen die schrecklichen Vernichtungslager von Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt ueberlebte. Doch nach dem Ueberleben kam fuer diese Menschen das Ueberleben, das Danach. Nicht wenige sind daran gescheitert, nahmen sich oft nach langen Jahren erst das Leben, wie etwa Jean Amery oder Primo Levi, alle aber standen sie vor grossen Problemen. Kann es, so lautete die fast taegliche Frage von Ueberlebenden, kann es ueberhaupt ein Danach geben oder bleibt der ueberlebenden Mensch sein ganzes Leben lang mit seiner Seele dem verhaftet, was "dort" geschehen ist ? Die lesenswerten im Juedischen Verlag erschienenen Buecher von Lizzie Doron etwa, geben Zeugnis davon, wie diese Last bis in die zweite Generation kaum zu tragen und ertragen ist. Ruth Klueger hat sich nun, 15 Jahre nach "weiter leben" dazu entschlossen, von diesem Kampf zu erzaehlen. Davon, wie sie nach dem Krieg in die USA ging, dort sich ausbildete und ueber die Jahre eine auch in Deutschland angesehene Literaturwissenschaftlerin wurde. Sie erzaehlt von ihrem selbstbewussten Feminismus und ihrer Schriftstellerei. Doch oft ist sie "unterwegs verloren", kommt kaum irgendwo wirklich an und ist auch in ihrem Privatleben alles andere als gluecklich. Zu ihren beiden Soehnen entwickelt sie eine sehr schwierige Beziehung (Lizzie Doron beschreibt dieses Phaenomen von der Seite der Kinder her), ihre Ehe ist ein "Eheunglueck" und sie empfindet die letztliche Scheidung als grosse Befreiung. Doch sie gibt nicht auf, kehrt nach ihrem "spaeten Ruhm" in die alte Heimat zurueck und spricht und schreibt wieder in ihrer alten Sprache. Ruth Klueger beschreibt die Gegenwart ohne die Schatten der Vergangenheit zu uebersehen, wie koennte sie auch ? Sie stellt sich nuechtern dem Alter und ihren nachlassenden Kraeften: "Mit jedem Verlust gleitet der Fuss abwaerts, auf jeder Reise broeckelt ein Stueck Ich ab. Was unterwegs verloren geht, bist immer du selbst, und der naechste Ankunftsort besteht, wie die vorigen, aus dem Jetzt und dem Jenseits, es gibt keinen neuen Anfang, nur Fortsetzungen auf einem Weg, der zusehends schmaler wird. Hat sich die Reise gelohnt ? Na ja: 'Es ist uns schon schlechter gegangen'". Es ist dieser "Verstand, Witz, Trotz und Mut" (Elke Heidenreich) der die Lektuere von Ruth Kluegers Buch so interessant und bewegend macht. Sie hat neben anderem ein feministisches Bekenntnis geschrieben, nicht zornig, aber unerbittlich in der Sache. Ein literarisches Zeugnis liegt her vor von einer ungewoehnlichen Frau , deren Leben immer wieder aus Trennungen von Menschen und Orten bestand.
Humorvolle Aufrichtigkeit August 21, 2008 suusl (muenchen) 12 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich
In ihrem ersten Erinnerungs-Band "weiter leben" hat die 1931 in Wien geborene Juedin Ruth Klueger ueber ihr Leben und das ihrer Familie waehrend der Nazi-Zeit berichtet. Nachdem sie das KZ ueberlebt hatte, wanderte sie nach Amerika aus. Ihr Leben dort steht im Mittelpunkt des zweiten Teils "unterwegs verloren". Beruflich erfolgreich als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen amerikanischen Universitaeten, ist ihr Privatleben alles andere als ein Erfolg. So berichtet sie von einer freud- und weitgehend auch gefuehllosen Beziehung zu ihrem Ehemann, von dem sie sich schliesslich scheiden laesst. Als Mutter zweier Soehne muss sie nun allein fuer den Familienunterhalt sorgen. Da in den 50- und 60-er Jahren Frauen fuer eine Hochschulkarriere noch nicht vorgesehen waren, muss Ruth Klueger Barrieren ueberwinden, die sie letztlich zur Feministin werden lassen. Ruth Kluegers Erinnerungen sind eine wirkliche Bereicherung. Zum einen, weil sie Einblicke geben in das Leben einer Exilantin, die auch in den USA immer wieder auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Zum anderen erlaubt das Buch tiefe, bisweilen intime Einblicke in ein Familienleben dieser Zeit. Besonders bestechend: Ruth Kluegers Aufrichtigkeit und ihr Humor, der ein leiser, aber umso angenehmerer ist.
Leben nach der Shoa August 20, 2008 C.Borries 22 aus 27 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ruth Klueger Unterwegs verloren Zsolnay Verlag ISBN 3552054413 Ruth Klueger, geb. 1931, ist eine angesehene Germanistin juedischer Herkunft. Sie hat als Kind die Haft in drei KZ ueberlebt. Nach dem Krieg wanderte sie mit ihrer Mutter nach Amerika aus und startete nach dem Schulabschluss und Studium eine berufliche Karriere als Germanistikprofessorin an verschiedenen amerikanischen Universitaeten. Bereits in ihrem biographischen Buch mit dem Titel < Weiter leben >, hat sie ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen aufgeschrieben. Ruth Klueger verbindet schon dort die authentische Berichterstattung ueber ihr Leben mit kritischer Distanz zu ihren Einsichten und zwischenmenschlichen Beziehungen. In Fortsetzung dieser Erinnerungen bleibt sie ihrem Erzaehlstil treu: ihre Lehrjahre in Amerika haben ihr die Augen geoeffnet, und sie zu einer Zivilisationskritik befaehigt, die auf den eigenen Erfahrungen gruendet. Ihre breit angelegten Beobachtungen gelten der gesamten zweiten Haelfte des letzten Jahrhunderts. Die auf ihrem Arm eingebrannte KZ Nummer loest vielfach Befremden aus. Juedische Einwanderer moechten nicht an die dunklen Jahre erinnert werden. Nach Ruth Kluegers Eindruecken erleben Juden in Amerika das Erkennen der KZ Nummer als Provokation. Bei ihrem Aufstieg in die akademischen Hoehen der Lehre sah sie sich Huerden gegenueber, die ihr teils aus Eigennutz der mit einander konkurrierenden Kollegen, teils aus Ressentiments gegen ihre feministischen Ansprueche in den Weg gelegt wurden. Immer wieder sucht sie Kameradschaft und Anerkennung und muss sich stattdessen mit unanstaendigen Intrigen auseinander setzen. Der Satz < Die sechs Jahre in Princeton von 1980 -1986 haben mich wehleidiger und ungeschuetzter, leider auch zynischer gemacht, als ich vorher war ... > bezeichnet treffend ihre Wandlung. Dazu saeumt eine verpatzte Ehe ihren Weg. In Goettingen und Wien Ende der achtziger Jahre begegnen ihr freundliche Menschen und sie gewinnt neu Freunde. Ein tief sitzendes Unbehagen, das sie bei einem laengeren Aufenthalt in Deutschland empfindet, wird nach unguten Erfahrungen beibehalten. Sie schreibt aus einer Perspektive, bei der ihre selbst erkannten eigenen Unzulaenglichkeiten und ihre klare Sicht der gesellschaftlichen Zusammenhaenge zu einem grossen Ganzen zusammen fliessen. Der Eindruck verfestigt sich, dass sie selbstkritisch und reflektiert ihr Leben bilanziert und sich mit gewissen Haerten in ihrem Auftreten zu schuetzen sucht. Ihre Beziehungen zur Mutter, ihren Soehnen und Enkelkindern zeigen sie empfindsam in der Wahrnehmung feiner Unstimmigkeiten. Sie macht die gleichen zuweilen schwer verstaendlichen Erfahrungen wie Kinder und Muetter in aller Welt. Obwohl sie gelegentlich Wut und Aerger zeigen kann, bleiben die Analysen ueber ihr Ergehen auf einem hohen Niveau. Bei ihren Selbsterkenntnissen zeigt sich Ruth Klueger unsentimental und sehr menschlich. Die Offenheit, mit der sie ihren Lebensabriss aufzeichnet, zeigt sie als verletzliche und gleichzeitig souveraene Frau. Ihre vielfarbigen und anschaulichen Lebensbilder, teilweise mit zarten poetischen Einschueben versehen, sind fesselnd und anspruchsvoll. Sie hat unterwegs einiges verloren,--aber sie zeigt sich wieder als die grosse Literaturwissenschaftlerin, die vieles gewonnen und uns Lesern gegeben hat!
|
|
|