Kundenrezensionen: Gelesen 6 mehr Rezensionen...
Sollte man lesen Juli 25, 2008 Marna Ireen Syred (Ostwestfalen) 2 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ruth Klueger schreibt hier, 50 Jahre nach den Geschehnissen (das Buch ist von 1992) ueber ihre Erfahrungen als juedisches Maedchen im Wien der 30er Jahre, ihre Verschleppung in die Konzentrationslager, ihre Auswanderung nach New York und ihre Wiederannaeherung an Deutschland. Ereignisse und Details ueber den Holocaust, die uns inzwischen hinlaenglich aus anderen Quellen bekannt und genau dokumentiert sind, erspart sie uns. Statt dessen blickt sie hinter die Dinge, offenbart Meinungen und Ansichten, die denen, die man heutzutage ueber den Holocaust zu haben hat, entweder entgegen laufen oder sie erweitern und differenzieren. Aufgeteilt ist das Buch in Orte: Wien, die Lager Theresienstadt, Auschwitz, Christianstadt, Flucht nach Bayern, Ausreise nach New York, spaeter 2-jaehriger Aufenthalt in Goettingen als Studienleiterin. Ruth Klueger erspart sich, und uns, nichts. Da ist das prekaere Verhaeltnis zu ihrer Mutter. Einer Frau, die in einigen lebenspraktischen Fragen durchaus Kompetenz besitzt und deren Entscheidung beide, Mutter und Tochter, die Rettung aus Auschwitz eine Woche vor dem Vergasen zu verdanken haben. Eine Frau, die den Neuanfang wagt, und die nach dem Krieg sehr flexibel in ganz unterschiedlichen Berufen ihre Frau steht. Eine Frau aber auch, die das Verhaeltnis zu ihrer Tochter manipulativ, konkurrierend und herabsetzend gestaltet hat und somit beide in eine unloesbare Mutter-Tochter-Verstrickung geleitet hat. Ruth Klueger scheut sich nicht vor Vergleichen. So wirkt der Besuch eines Psychoanalytikers einige Zeit nach ihrer Ankunft in New York beinahe grausamer als ihr Aufenthalt in den Konzentrationslagern. Denn dieser Psychoanalytiker bringt ihr noch einmal in konzentrierter Form entgegen, was die Essenz ihrer Erfahrung in den Lagern war: Er laesst sie als Mensch, als Person, als Ich nicht gelten. Statt eine tragfaehige therapeutische Beziehung aufzubauen, wuerdigt er sie herab, kritisiert sie, beleidigt sie, macht ihr Vorschriften, erniedrigt und demuetigt sie, will sie anders als sie ist. Sein Verhalten wirkt grausamer als wuerde er koerperliche Gewalt anwenden. Und seine Menschenverachtung ist in ihrer subtilen Form empoerender als die des Nazis in Christianstadt, der die 13-jaehrige Ruth unvermittelt, aus reiner Lust an der Gewalt, ohrfeigt. Ruth Klueger ist schonungslos ehrlich mit sich selbst. Die Gespraeche, die sie mit Freunden fuehrt, koennten auch in ihrem eigenen Kopf stattfinden. Ein Kopf, der das eigene Denken staendig hinterfragt, analysiert, verwirft und neu zusammen stellt. Ist sie vielleicht zu unversoehnlich, zu wenig bereit zu verzeihen, zu verkrallt in das Geschehene, fragt dieser Kopf? Sie ist vor allen Dingen eins: ehrlich, offen, klar, intelligent, und sehr persoenlich. Dieses Buch verdanken wir einem Fahrradsturz. Ruth Klueger fiel auf den Kopf und heraus purzelten diese Saetze. Ruth Klueger hat dieses Buch auf deutsch geschrieben, fuer Deutsche. In einer wunderschoenen Sprache, in klaren, teils knappen Saetzen laesst uns Ruth Klueger an ihren Gedanken teilhaben. Ich wuerde sieben Sterne vergeben, wenn das ginge.
Interessante Autobiografie, doch wo bleiben die Gefuehle? Mai 22, 2007 Kathi 1 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Wir haben erst vor kurzem "Weiter Leben" als Schullektuere zu lesen bekommen und ich muss sagen, dass es sehr interessant zu lesen war. Vom Anfang bis kurz nach Mitte des Buches wurden allerdings keine richtigen Saetze gebildet. Erinnerungsfetzen unterbrechen die laufende Handlung staendig und machen es somit schwierig, das Geschehen zu verstehen. Zum Ende hin aendert sich das allerdings Gott sei Dank. Auch der Schreibstil wird besser. Mich fasziniert die Lebensgeschichte von Ruth Klueger wirklich sehr, doch kann ich nicht glauben, dass solch grausame Geschehnisse so nuechtern beschrieben werden. Wirklich alle Schuelerinnen und Schueler waren verwirrt ob dieser Tatsache. Mir stellt sich dann allerdings die Frage, ob man bei dieser Vergangenheit vielleicht innerlich taub wird. Das wuerde die nuechterne und unpersoenliche Schreibweise erklaeren. Auf jeden Fall ein Buch zum Lesen und Weiterbilden, aber einmal lesen reicht, somit waere ein Kauf unnoetig.
Kindheit/Jugend als Juedin im NS-Regime April 12, 2007 A. Metz (OOe) 0 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
1938 schliesst sich Oesterreich Hitler-Deutschland an. Viele emigrieren, manche bleiben jedoch. Warum? Mit Fragen wie diesen beschaeftigt sich die 1931 in Wien geborene Juedin Ruth Klueger, die den 2. WK als juedisches Kind in Wien erlebte. Interessant an diesem weiteren Buch, das sich mit dem Thema Nationalsozialismus beschaeftigt, ist der Aspekt, dass die Geschichte aus Sicht eines Kindes erzaehlt wird und man dadurch teilweise eine neue Perspektive gewinnt. An der Sprache merkt man, dass Ruth Klueger geborene Oesterreicherin (heute lebt sie in Kalifornien) ist und lernt auch einige juedische Ausdruecke wie "Risches" (=Antisemitismus). Das Buch ist eine erzaehlte Kindheit/Jugend zu Zeiten des Naziregimes und kann als Lektuere zum Nachdenken, die aber auch Amuesantes enthaelt, wie es es zu jeder Zeit gibt, nur empfohlen werden.
3 Konzentrationslager ueberlebt und trotzdem immer positiv, Februar 10, 2007 Laoban888 2 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
man muss die Einstellung von Frau Klueger wirklich bewundern. Alle Vor - Rezensenten haben schon (fast) alles gesagt und das Buch eindeutig und richtig bewertet, dem ist nicht mehr sehr viel hinzuzufuegen. Nur: sehr beeindruckend + lesenswert, auch fuer Leser, die schon - wie ich - viele Buecher ueber diese Zeit und dieses Thema gelesen haben.
Erstklassiges Buch Oktober 11, 2004 18 aus 22 fanden die folgende Rezension hilfreich
Wer sich mit Literatur zu diesem Thema schon oefter auseinandergesetzt hat, wird ueber diese Art des Erinnerns voller Bewunderung und sehr erstaunt sein. Da klingt trotz aller Dramatik zart der sprichwoertliche juedische Humor mit - obwohl man ja meinen muesste, das waere eigentlich unmoeglich. Bemerkenswerter Scharfsinn und gnadenlose Ehrlichkeit bestimmen den gesamten Rueckblick. Wunderbare Erzaehlerin.
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