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Mein Leben

Mein Leben

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Autor: Marcel Reich-ranicki
Urheber: Marcel Reich-ranicki
Verleger: Dtv

Kaufen Gebraucht: EUR 3,25



Neu (64) Gebraucht (13) Sammlerstück (2) ab EUR 3,25

Bewertung: 4.5 von 5 Sternen 120 Rezensionen
Verkaufsrang: 9693

Medium: Taschenbuch
Seiten: 565
Versandgewicht: 0.9
Maße (innen): 7.7 x 4.7 x 1.3

ISBN: 3423130563
EAN: 9783423130561
ASIN: 3423130563

Publikation: März 2003
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen
Zustand: Gebrauchsspuren erkennbar. Mehrfach gelesen. Sofort Versand.

Auch erhältlich in:

  • Taschenbuch - 'Mein Leben': A Reading
  • Taschenbuch - Mein Leben
  • Taschenbuch - Mein Leben
  • Taschenbuch - Mein Leben: Auswahlband fuer die Schule
  • Gebundene Ausgabe - Mein Leben. Grossdruck
  • Gebundene Ausgabe - Mein Leben. SPIEGEL-Edition Band 40

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Redaktionelle Rezensionen:

Aus der Amazon.de-Redaktion
Lange Zeit hatte Marcel Reich-Ranicki die Niederschrift seiner Autobiografie vor sich hergeschoben. Dennoch wurde er von Freunden und Bekannten ermutigt und gedraengt, von Verlegern mit Geld gelockt. Sechs Jahre schrieb er an seinen Erinnerungen. Im Alter von 79 hatte er sie dann vorgelegt. 2003 sind die Erinnerungen des 1920 Geborenen im Taschenbuch erschienen.

Das Buch ist in fuenf Teile gegliedert, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit vor 1958 liegt. Die ersten beiden Abschnitte zeigen die Entwicklung und die Leidenszeit des Schuelers und jungen Mannes, die in hoechstem Masse von den Ereignissen der Zeitgeschichte gepraegt ist. Es sind dies die Kindheit in Polen, die Jugend im nationalsozialistischen Berlin und schliesslich die eindringlich und zugleich in einem ruhigen Tonfall geschilderten Zustaende im Warschauer Getto. Nach dem Neuanfang im kommunistischen Polen erfolgt dann die Zaesur: Ende der Fuenfziger zieht es Reich-Ranicki in die Bundesrepublik.

Dieses Datum markiert einen Einschnitt im Leben des Kritikers und zugleich in dessen Erzaehlen. Hat er bis dahin seine Persoenlichkeitsbildung als humanistisch gepraegter Schueler und junger Mann in der immer barbarischer werdenden aeusseren Welt ausfuehrlich dargestellt, so erzaehlt er die folgenden Jahrzehnte nur noch in Episoden. Zwar kommt manches -- z. B. seine Zeit bei der F.A.Z. -- etwas zu kurz, gleichwohl koennen andere Abschnitte dafuer entschaedigen: Die Begegnungen mit Mitgliedern der Familie Mann, sein Portraet Wolfgang Koeppens oder die jahrelange und letztlich doch gebrochene Freundschaft zu Joachim Fest werden unterhaltsam wie sensibel geschildert. Mein Leben ist ein Buch ueber das Gezeichnetsein durch die Schrecken des Dritten Reiches und ueber persoenliche Enttaeuschungen. Es ist aber auch ein Buch ueber glueckliche Augenblicke, sowie ueber die Liebe, und zwar die zu seiner Frau und -- natuerlich -- zur Literatur.

Marcel Reich-Ranicki hat im Grunde alles erreicht, was ein Kritiker erstreben kann: Er wurde zum bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker seiner Zeit. Nach wie vor ist er gefuerchtet und respektiert -- doch kaum geliebt. Vor allem aber ist er eins geblieben: ein Aussenseiter. Und man spuert ueber die 560 Seiten hinweg, wie sehr ihn das geschmerzt hat. So steht gegen Ende des Buches nicht zufaellig ein Zitat des von ihm geschaetzten Friedrich Schlegel, das Reich-Ranicki auf sich selbst bezieht: "Man findet mich interessant und geht mir aus dem Wege... Am liebsten besieht man mich aus der Ferne, wie eine gefaehrliche Raritaet." --Alexander Simon


Kundenrezensionen:   Gelesen 115 mehr Rezensionen...

1 von 5 Sternen Ein zweischneidiges Schwert... oder: Die Kehrseite der Medaille   August 25, 2008
Alias (immer da, wo ich bin)
7 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich

Hochgelobt.
Nie kritisiert.
Ueberheblich.
Unfehlbar...

Na ja, nicht ganz.
Der Mensch hinter der Kritikermaske des Marcel Reich-Ranicki war, wie 1994 bekannt wurde, ein kommunistischer Einsatzleiter der stalinistischen Geheimpolizei (nach Kriegsende) - das Ministerstwo Bezpieczestwa Publicznego ("Ministerium fuer Oeffentliche Sicherheit", MBP).
Er hatte in seiner Funktion dafuer zu sorgen, dass polnische Emigranten nach dem Zweiten Weltkrieg zurueckgefuehrt wurden - viele dieser Menschen wurden spaeter zum Tode verurteilt.

Reich-Ranicki spricht heute ungern darueber und wird auch nicht darauf angesprochen. Unter dem Mantel des Holocaust (er hatte Vater und Mutter in KZs verloren) breitet man deshalb in der Oeffentlichkeit das grosse Schweigen aus.

Voellig verkehrt!
Warum steht dieser grosse Kritiker nicht zu seiner Vergangenheit, zu seinem Tun und Handeln - fuer das er nie verurteilt wurde!?
Und warum spricht man nicht darueber, was er getan hat?

Auch ein Mensch wie Reich-Ranicki muss kritisiert werden und bestraft fuer seine Taten nach dem Krieg!

Der grosse Marcel Reich-Ranicki... oh ja!



5 von 5 Sternen Ein Buch, an das man die richtigen Ansprueche stellen muss   Juni 20, 2008
Lari
1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich

Als ich sah, dass ein paar Leser nur einen oder zwei Sterne vergaben, las ich deren Rezensionen und wunderte mich ueber die Erwartungen, die hier an Reich-Ranickis Buch gestellt wurden.

"Mein Leben" ist kein Roman, sodern eine Biografie, die sich -anders als viele Biografien aktuell prominenter Schauspieler, Musiker oder Sportler- meiner Meinung nach nicht als oberstes Ziel gesetzt hat, zu unterhalten.
Marcel Reich-Ranicki moechte uns, die wir das Buch aus Interesse an seinem Leben gekauft haben, ueber sein Leben informieren.
Und was wir zu lesen bekommen ist, ohne Intention und ohne Inszenierung, das Leben von Reich-Ranicki.
Literatur mag sein Leben sein, aber wieso deswegen erwarten, dass er selbst etwas schreibt, an dem er nichts zu kritisieren haette?
Reich-Ranicki schreibt fernab von intellektuellem Stil, umwerfender Rhetorik oder unterhaltsamer Belletristik.
Er erfuellte den Auftrag, ein Buch ueber sein Leben zu schreiben und genau das tat er.

Der Leser begleitet ihn auf seinem Lebensweg, nimmt Teil an seinen Theaterbesuchen und Lektueren, bekommt einen Einblick in seiner Haltung gegenueber grossen Autoren und Werken.
Reich-Ranicki schreibt meiner Meinung nach nicht, um uns Emotionen zu entlocken, uns zu begeistern oder zu ueberzeugen.
Er wurde um eine Biografie gebeten, er liefert sie ab, gibt jedem, der sich dafuer interessiert, Einblick in sein Leben.

Wer Reich-Ranickis Werk mit Werken anderer Schriftsteller vergleicht, der vergisst, denke ich, dass jeder andere Schriftsteller Intentionen hat, -sei es Unterhaltung, eine Botschaft zu vermitteln, ein Kunstwerk abzuliefern, was auch immer- Reich-Ranicki allerdings gibt einfach nur von sich preis, wonach gefragt wurde.

Und wer mit dieser Erwartung an das Werk geht, nicht vergeblich nach Stil, Symbolik, Bewundernswertem oder Befuerwortbarem sucht, erkennt, wie nahtlos Reich-Ranicki Literatur mit seinem Lebenswerk verknuepfen kann;
wie differenziert er uns Eindruecke von Dramen, epischen und lyrischen Werken erklaert, wie facettenreich er fuer uns Literatur begutachtet, waehrend er uns keinen Einblick gewaehrt, wie er den Tod seiner Eltern und seines Bruders verarbeitet hat.

Wer sich fuer die neuere Geschichte Deutschlands interessiert, fuer Literatur und Kultur aus dem Blickwinkel von Marcel Reich-Ranicki, wird von diesem Buch sicher nicht enttaeuscht werden.



1 von 5 Sternen furchtbarer Schreibstil!!!   Juni 17, 2008
Cassiopeia (Berlin)
1 aus 7 fanden die folgende Rezension hilfreich

Ich gebe zu, dass ich, trotz sehr stark ausgepraegtem literarischen Interesses, dieses Buch nach ein paar Seiten wieder schloss und zur Seite legte.
Durch Internetrecherchen zum Leben und Wirken von Herrn Reich-Ranicki auf den Geschmack gekommen, konnte ich es nicht erwarten diese, so hoffte ich, spannende Biografie in Haenden zu halten. Was ich dann auf den ersten Seiten zu lesen bekam war eine Geschichte von jemandem, der offensichtlich Buchstabensuppe mit einer Gabel isst. Wer nimmt an, dass ein Mann, der sein Leben der Literatur verschrieben hat, von selbiger doch so wenig versteht und ein so scheusslich langweiliges, stupides Buch zustande bringt.
Und, salopp gesagt, das Gejammer, was aus den Zeilen ueber seine Kindheit und die ach so einfache Mutter spricht, die offensichtlich nie vorher absehen konnte, was sie ihrem Kind antat...das braucht doch kein Mensch.

Die Kurzbiografie bei Wikipedia ist weitaus spannender und angenehmer zu lesen!



5 von 5 Sternen Ein eindrucksvolles Leben   Februar 22, 2008
Marc Somssich
1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich

Mit dem Namen Marcel Reich-Ranicki kann im heutigen Deutschland vermutlich fast jeder etwas anfangen. Den meisten ist er dabei als immer noergelnder Kritiker im Gedaechtnis haengen geblieben, ein Eindruck der, wohl zu unrecht, schon in den sechziger Jahren entstand, und sich mit der Veroeffentlichung des Werkes Lauter Verrisse im Jahr 1970 manifestierte. Doch Marcel Reich-Ranicki ist mehr als das. Mehr als ein ewiger Noergler sowieso, aber auch mehr als Deutschlands einflussreichster Literaturkritiker und Experte. Seine 1999 erschienene Autobiografie "Mein Leben" gibt Einblicke in das ergreifende Leben von Deutschlands "Literaturpapst".

Geboren in Wloclawek, Polen, der Vater ein juedischer Pole, die Mutter eine Deutsche, zieht die Familie 1929 nach Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird die Familie jedoch zurueck nach Polen deportiert, wo Marcel nur knapp dem Tod in der Gaskammer entgeht. Nach dem Krieg kehrt er zunaechst nach Ostdeutschland zurueck, schliesslich flieht er mit Frau und Sohn nach Westdeutschland. Ein Leben zwischen zwei Laendern also, und zu keinem gehoert er so richtig. Die einzigen Konstanten bleiben das Judentum und die deutsche Literatur, die Reich-Ranicki seit seiner Schulzeit in Berlin stetig begleitet. Von Berlin ins Warschauer Getto und zurueck nach Deutschland.
Der Schwerpunkt der Autobiografie liegt auf der Zeit von 1920-1958, der praegenden Zeit in Reich-Ranickis Leben. Der erste von insgesamt fuenf Teilen des Werkes umfasst dabei die Jahre 1920-1938, die Zeit bis zur Deportation, und nimmt wenig mehr als ein Viertel des Buches ein. In diesem Buch, der fruehen Entwicklung Reich-Ranickis, beschreibt er anschaulich, wie sich seine Liebe zur deutschen Literatur und zum Theater entwickelte.
Es folgt die Zeit des Krieges (1938-1944), die ebenfalls etwa ein Viertel des Buches einnimmt. Reich-Ranicki erzaehlt eindringlich von der Deportation, dem Leben im Warschauer Getto und dem Kampf ums Ueberleben ausserhalb diesem abgesperrten Bezirk Warschaus. Dieser Teil der Biografie ist von Natur aus der dramatischste und einpraegsamste.
Die drei an diese Zeit anschliessenden Kapitel teilen sich die zweite knappe Haelfte des Buches. Es beginnt mit der Nachkriegszeit (1944-1958), in der Reich-Ranicki und seine Frau Tosia versuchen, zunaechst in Polen, dann in Deutschland fusszufassen. Sein Aufstieg als Literaturkritiker in Deutschland (1958-1973) wird im vierten Teil behandelt, und der fuenfte Teil (1973-1999) schliesslich, behandelt die Zeit als etablierter Kritiker bis zum erscheinen der Biografie.

"Mein Leben" von Marcel Reich-Ranicki ist das Zeugnis eines bewegten Lebens. Das der Autor ein begabter Schriftsteller ist, ist weder neu, noch verwunderlich, und so muss ueber den Stil des Buches nichts mehr gesagt werden. Inhaltlich dagegen birgt diese Autobiografie doch einige Ueberraschungen, und vor allem zeigt sie den sonst so sachlichen und schnell erregten Kritiker einmal vollstaendig als Mensch. Reich-Ranickis Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus beleuchten auf eindringliche Wiese dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, und seine Beschreibungen zu deutschen literarischen Werken, Theaterstuecken und Autoren, die sich wie durch Reich-Ranickis Leben, so auch durch dieses Buch ziehen, bieten einen Leitfaden fuer jeden, der sich naeher mit deutscher Literatur beschaeftigen moechte. Kein Wunder also, dass eine angepasste Form der Biografie in vielen Schulen im Deutschunterricht behandelt wird. Ein Hang zur deutschen Literatur ist jedoch keineswegs Voraussetzung, um dieses Werk interessant zu finden. Es ist ein Stueck deutsche Geschichte, die schon deswegen jeden interessieren sollte.



5 von 5 Sternen Zwei Menschen - eine Geschichte   Januar 29, 2008
G. J. Matthia (Berlin)
1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich

Zwei Buecher, die autobiographisch sein wollen und in jene schwer vorstellbare Zeit zurueckreichen, die mir, dem 1955 geborenen Deutschen, nur aus Schulunterricht, Berichten und Erzaehlungen bekannt geworden ist, stehen fuer mich gesondert von aller anderen Literatur ueber die Epoche. Zwei Buecher, die mich tief getroffen, es mir gestattet haben, mitzuerleben, was den Autoren begegnet ist, zwei Lebensanfaenge, die unterschiedlicher kaum sein koennten.

Die beiden Autoren pflegen seit Jahrzehnten eine Hassliebe, moegen und schaetzen einander oeffentlich mal deutlich anerkennend, mal nicht sonderlich freundlich. Der eine schreibt ueber den anderen:

&verlaesterte alle Paepste, so spaeter auch jenen, der medienwirksam erhoeht den literarischen Himmel einzig nach seiner Elle vermessen wollte, und befreundete mich mit dem Risiko, als Aussenseiter dem jeweiligen Zeitgeist widerstehen zu muessen. (Beim Haeuten der Zwiebel, Seite 425)

Der andere bemerkt zum einen:

Sie schildern ein Treffen mit Uwe Johnson. Sie schildern es wunderbar. Das kann keiner besser als Sie. Aber es sind nur fuenf Seiten von 781. (Besprechung von Ein weites Feld im Spiegel)

Regelmaessig amuesieren mich ihre Animositaeten. Der eine, der sich nie selbst als Literaturpapst bezeichnet hat, jedoch die medienwirksame Rolle wohl nicht ohne erkennbares Vergnuegen und Genugtuung auszufuellen verstand, der andere, der sich nicht ungern und nicht weniger medienwirksam als Aussenseiter einem Zeitgeist widersetzte, selbst wenn dieser an ihm gar nichts auszusetzen hatte.

Die beiden Buecher ueber die gleichen Jahre, Mein Leben und Beim Haeuten der Zwiebel sind so unterschiedlich im Ansatz wie ihre Autoren. Reich-Ranicki schreibt als ein Mensch mit ungetruebtem Blick auf jegliche Details der Vergangenheit, waehrend Grass wieder und wieder verschiedene Darstellungen der gleichen Begebenheit zur Auswahl stellt. Reich-Ranicki bleibt bei seinem Lebensbericht ein Chronist, Grass bleibt ein Erzaehler. Der eine hat als Jude Kindheit und Jugend unter Hitler durchlitten, der andere glaubte als Deutscher bis zum Schluss an den so felsenfest versprochenen Endsieg.

Ganz abgesehen davon, dass Reich-Ranicki und Grass die deutsche Sprache beherrschen wie nur wenige, dass beide mir auf keiner einzigen Seite dieser beiden Buecher auch nur einen Hauch von Langeweile zugemutet haben, ist ihnen in ihrer Unterschiedlichkeit das gelungen, was weder Dokumentationen noch zahlreiche andere Literatur vermocht haben: Ich habe etwas verstanden und empfunden, habe waehrend der Lektuere erlebt, was vor meiner Zeit geschah.

Mein einer Grossvater, KZ-Haeftling weil Sozialist, zu jung verstorben an den Folgen der Gefangenschaft, von der Grossmutter haeufig und eindringlich vor meine jungen Augen gestellt, mein anderer Grossvater, friedliebender Pastor, vertrieben aus Gebieten, die heute polnisch heissen, konnte mir noch selbst erzaehlen und berichten. Doch blieben ihre und die Erfahrungen ihrer Ehefrauen und Familien mir unerlebt, seltsam fremd trotz verwandtschaftlicher Naehe. Zwei Buecher von zwei Maennern, die ich nie getroffen und gekannt habe, wurden mir dagegen wie ein Stueck der eigenen Erinnerung.

Liegt es daran, dass beide Werke ehrlich sind? Natuerlich vermag ich nicht zu sagen, wo Gras oder Reich-Ranicki die Wahrheit zu Papier gebracht und wo sie ihr hinzugedichtet oder weggelassen haben. Das ist auch gar nicht notwendig. Erinnerung und Vergangenheit sind Geschwister, die einander manches Mal widersprechen, in Streit geraten, dann wieder eintraechtig Hand in Hand spazieren, um irgendwann erneut aneinander zu geraten.

Reich-Ranicki schreibt, wie es seine Art ist, als gebe es keinen Zweifel an der Wahrheit seiner Zeilen, schildert selbst Details wie den aufgefundenen Beipackzettel einer Kondompackung mit ueber sechzig Jahren Abstand als haette er das Kleingedruckte gestern erst studiert. Grass laesst Details auftauchen und verschwinden, weiss immer wieder anzudeuten oder klar zu sagen, dass etwas und wie etwas gewesen sein haette koennen, vielleicht auch war.

Mir sind sie beide eindringlich geworden, denn diese Buecher haben eins gemeinsam, was so vielen anderen, die ich zum Thema gelesen habe, fehlt: Sie wollen nicht belehren, nicht bekehren, sondern berichten und dichten. Und gerade deshalb, vermute ich mangels einer anderen Erklaerung, treffen sie bei mir so tief in mein Innerstes hinein.

Es sollte mich wundern, wenn jemand, der wie ich ein Nachkriegskind ist, Beim Haeuten der Zwiebel von Guenter Grass und Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki anders lesen koennte als mit innerer Beteiligung, die schnell zum Miterleben wird. Nachdruecklich moechte ich dazu raten, beide zu lesen. Zwei Menschen erleben eine Geschichte - und so entsteht ein Bild in Stereo.