Kundenrezensionen: Gelesen 36 mehr Rezensionen...
non-fiction roman feat. glaubwuerdigkeitsproblem Dezember 29, 2008 paul. (NRW, DE) 0 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
"Das Buch hat es in sich: Der Autor stammt aus Neapel. Saviano liefert Hintergruende - und er nennt Namen." ARD Ich habe Gomorrha noch nicht durchgelesen. Ich muss aber jetzt schon lachen, sobald meine Augen ueber die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchcover streifen. Er nennt Namen- und wie! Roberto Saviano scheint sich nicht zu schaemen, ueber zwei Seiten (!!!) die Spitznamen der "Bosse" aufzuzaehlen und hier und da persoenliche Interpretationen auf das Aeussere oder den Charakter des Inhabers niederzuschreiben. Und wem das als Leser nicht reicht, dem verspreche ich auf jeder Seite mindestens zwei neue Namen, manchmal total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mehr ueber die moderne Mafia erfahren wollte. "Das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus." (Buchbeschreibung) Das habe ich erwartet- und es gibt diese spannenden, erschreckenden Passagen des Buches: Eingefrorene Billigarbeiter aus dem Ausland, Strukturen der Textilindustrie, Drogengeschaefte, die "Schwarzindustrie" im Sueden Italiens. Der Kaeufer wird jedoch entgegen der Beschreibung einen "Non-Fiction" Roman, wie Saviano sein Buch selber nennt, in den Haenden halten. Und damit bricht in meinen Augen das Fundament.. Roberto Saviano spielt an vielen Stellen mit seiner Glaubwuerdigkeit. Er montiert Szenen (s. Interview: Roberto Savianos mit Fiona Ehlers), die aber nicht zum besseren Verstaendnis fuehren. In dem genannten Interview widerspricht er sich sogar selbst: Im Buch berichtet er von Pasquale, einem begabten aber unterbezahlten Schneider fuer die untergrabene Modeindustrie, der den Auftrag erhaelt einen massgeschneiderten Anzug zu fertigen und diesen spaeter auf der Oscarverleihung an Angelina Jolie wiedererkennt. Aus verletztem Stolz stellt er seine guten Faehigkeiten nicht mehr zu Verfuegung, liefert nur noch Waren aus und begegnet im weiteren Verlauf dem Autor hier und da rein zufaellig auf offener Strasse. Im Interview sagt Saviano, dass Pasquale von der Mafia strafversetzt wurde. Nur ein kleines Beispiel- aber was stimmt und was nicht? Der Schreibstil gleicht auch eher der Beschreibung Savianos als der des Verlegers. Wer Saetze wie "Es riecht nach Fabrikschloten, aber es gibt keine Fabriken" mag, wird dieses Buch lieben.
Wird dem Hype nicht gerecht: Leider mit der Dauer aeusserst ermuedend Dezember 26, 2008 Marcio Martedi 1 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Buch ist mittlerweile schon so lange in den Medien, dass es einen irgendwann in Form eines Geschenkes einholt. Das Thema ist interessant, die (professionellen) Rezensionen im Hinterkopf und die Erwartungshaltung entsprechend. Zunaechst enttaeuscht Saviano diese auch nicht. Der Einstieg ist packend, die Schilderungen detailliert und drastisch. Seine Wut springt bald auf den Leser ueber. Das Problem: Saviano hat eigentlich recht schnell alles gesagt. Deshalb wiederholt er es immer wieder, neue Namen (die sich eh alle gleich anhoeren) und alte Geschichten. Schon nach ungefaehr 100 Seiten ist dieser Punkt erreicht. Und von da an geht es mit der Qualitaet des Buches rapide bergab, es verkommt zu einer reinen Aufzaehlung. Deutlich merkt man, dass Saviano ein guter Journalist ist - aber eben kein guter Autor. Gegen Ende springt er hektisch von Thema zu Thema, ein roter Faden ist nicht mehr zu erkennen. Da ist das Buch laengst zur Qual geworden, die Seiten erscheinen einem als Bleiwuesten angereichert mit endlos vielen italienischen Namen. Den medial erworbenen Vorschusslorbeeren kann dieses Buch allenfalls im Ansatz gerecht werden und ist (leider wieder einmal) ein etwas hohler PR-Hype.
Achtenswerte Motivation, unzureichende Umsetzung Dezember 10, 2008 Philosophicus (Oesterreich) 2 aus 7 fanden die folgende Rezension hilfreich
Zunaechst: Dem Autor gebuehrt alle Hochachtung, die denkbar ist. Sich einer der weltweit aggressivsten Verbrecherorganisationen entgegen zu stellen, noetigt eine Verbeugung ab. So hat man die Ehre, beinahe woechentlich aus den Medien zu erfahren, was derartigen "Dissidenten" blueht: Geschaeftslokale werden ohne lange zu fackeln abgefackelt, ganze Familien der Vendetta wegen ausgeloescht usw. Dies sei klargestellt. Der geneigte Rezensent kommt allerdings nicht umhin, an den handwerklichen Faehigkeiten des Autors zu maekeln: Es liest sich muehsam. Als Bettlektuere (und nicht ob der Schwere der Thematik) nicht zu empfehlen. Wie bereits von Kolleginnen und Kollegen wohl richtig konstatiert wurde: Der Autor neigt dazu, sich zu ueberschaetzen. Als Journalist wohl richtig am Platz - die Recherchen sprechen ja fuer sich -, heisst dies allerdings noch nicht, auch fuer die Profession des Buchautors praedestiniert zu sein. Zu schwerfaellig der Duktus, zu selbstverliebt die Darstellung, die schwer einmal auf den Punkt kommt: der Autor verliert sich in der Wueste des eigenen Anspruchs. Schade - daher leider nur bedingt zufriedenstellend.
Kurz und buendig bewertet... November 20, 2008 R. Klockzim (Ingolstadt) 1 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Meine kurze aber buendige Rezension: + die Darstellung der Reichweite und des Einflusses der Camorra, national und international... da sieht man Italien wieder mit anderen Augen - die Masse an Namen, Spitznamen und Ortschaften, Verwandschaftsgraden und Beziehungen untereinander laesst einem waehrend der Geschichte das Gesicht einschlafen
Die harte Realitaet im Reich der Camorra November 10, 2008 Rolf Dobelli 0 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
Das oeffentliche Bild vom organisierten Verbrechen mag zwar von der sizilianischen Mafia gepraegt sein, doch diese ist gegen die sueditalienische Camorra, so der Autor, kaum mehr als ein Knabenchor. Roberto Saviano, der inzwischen im Untergrund lebt, erhielt fuer seine Recherchen zu diesem Buch 2006 den Premio Viareggio, einen italienischen Literaturpreis. Waehrend die italienischen Juroren vermutlich ausreichend Hintergrundkenntnisse besitzen, um zwischen harten Fakten und Ueberzeichnung unterscheiden zu koennen, ist davon beim deutschen Otto-Normal-Leser hoechstwahrscheinlich nicht auszugehen. Die Frage, wo Savionas Buch nun Roman und wo Sachbuch ist, kann der Laie kaum beantworten. Nicht zuletzt, weil die Kapitel in sich abgeschlossen sind und damit oft zusammenhanglos erscheinen. Der rote Faden versteckt sich hinter blutigen Anekdoten.
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