Marionetten | 
vergrössern | Autor: John Le Carre Urheber: John Le Carre, Sabine Roth, Regina Rawlinson Verleger: Ullstein Hc
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Bewertung: 38 Rezensionen Verkaufsrang: 684
Medium: Gebundene Ausgabe Seiten: 366 Versandgewicht: 1.5 Maße (innen): 8.6 x 5.8 x 1.6
ISBN: 355008756X EAN: 9783550087561 ASIN: 355008756X
Publikation: November 3, 2008 Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen Zustand: TOP-NEU-Zustand, original verschweisst, sofort versandfertig aus Germany!+++
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Aus der Amazon.de-Redaktion
Interview mit John le CarrA
Frage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bisA heA riA A gen? Stellt es eine RA ckkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?
Antwort: DarA ber muA die Kritik befinden. Und mit dem kritischen ProzeA habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes GefA hl. Ich muA te meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben dieA A A A se Wut fA r mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine LeA A ser packt. Was mich verblA fft hat, war die A koA nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von AusschuA wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glA cklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und HintergrA nde herA ausziehen lassen, die ich brauchA A te.
Frage: HeiA t das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie A berhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?
Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lanA ge vorher in meinem SchriftstellergedA chtA nis eingenistet hatA ten und auf ihren Auftritt warteten. ManA che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil A ber Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saA auf einer Bank, die EinkA ufe einer ganzen Woche zu seinen FA A en, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe seiA ner Frau sei ihm so unertrA glich geworden, daA er einfach nicht den Mut zum Heimgehen aufA bringe. Oder der zwA lfjA hrige Junge in dem KranA kenhaus in PalA stina, dem eine StreuA bombe beide Beine weggeA rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorA bergingen, mit hochgeA recktem Daumen begrA A te. Diese beiA den habe ich bisher noch nirA gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in GeheiA me MeA lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und A ber den palA stinensischen Jungen werde ich wahrscheinA lich niemals schreiben kA nnen. Er ist fA r mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrA ckender Tapferkeit.
DafA r konnte ich A ber einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjA hrigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennenA gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb TschetA scheA ne, halb Russe, und wohnte in einem musliA mischen Getto in den Moskauer AuA enbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im GA rtel. In Moskau muA te man damals (wie heute A brigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der StraA e unterwegs, desA halb weiA ich nicht, ob die Pistole ihn auA er Haus begleiA tete. Er war groA und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend wA rdeA voll, trotz oder gerade wegen der TatA sache, daA seine halbrussische Abstammung ihn zum GespA tt der echten TschetA schenen machte.
FA r die tschetschenische Sache kA mpfte er aus OpA position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russiA schen BesatA zungsA armee. Seine Mutter war ein MA dA chen aus den tscheA tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafA r bestraft, daA sie verA geA waltigt worden war: die DorfA ltesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daA sie willfA hrig gewesen war und kommandierten zur WiederA herstellung der Familienehre ihre mA nnA lichen AngehA riA gen dazu ab, sie zu tA ten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hatA te. Als der Vater nach Moskau zuA rA ckA A beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle MA he, aus ihm einen ordentlichen RusA A senA A jungen zu machen. Die besten SchuA len, alles das. Mit dem Erfolg, daA sich Issa, soA bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen SeparaA tisten anschloA . Und daA er zum Islam konA verA tierte - aus Liebe zu einer MutA ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle fA r Issa; ich behielt sogar seinen VorA namen bei – das tschetschenische Wort fA r Jesus. Wobei mein Issa im Roman natA rlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwanA deln, mA ssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar ZA ge von uns selbst verleihen.
Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz geA warteA t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher AgentenA fA hA rer, hab ich recht? Herr Bachmann?
Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec LeaA mas in Der Spion, der aus der KA lte kam. BachA mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginA ren Wartesaal saA , war Tommy Brue, der sechzigjA hrige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der unA versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen hA chst problematischen VaA ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank geleiA tet, in Wien. Alle haben VA ter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persA nlichen KA mpfe aus, die ihre Geburt und ihre LebensA umstA nde ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahrA scheinA lich meine Art, meine eigeA ne schwieA rige VaterbeA ziehung aufzuarbeiten, A ber die ich in Ein blendender Spion geschrieA ben habe. Ich habe selber eine ZeitA lang in Wien geA lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist lebA haft der trinkfreudige schottische Bankier im GeA dA chtA nis, der mich damals immer wieder bestA rmt hat, doch ein NumA mernA konto bei ihm zu erA ffnen - keine Namen, keiA ne ForA malitA ten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die KaA meA radA schaft. Er war ein einsamer ExilA englA nder mit einer zerbrA ckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand fA r ihn, sich an Leute anA zuA nA hern, die er mochte. Ich hatA te allen ErnA stes ein schlechA tes Gewissen, daA ich kein NumA mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in eiA nen unschA nen Skandal verwickelt. Einen Skandal A brigens, an dem sein Vater die Schuld trug!
Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?
Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurA ckgezogen, so wie es auch George Smiley imA mer wieder zurA ckgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so groA en Teils unserer europA ischen Kultur. Aber diesmal muA te es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler HinA sicht stellt es die exotischste Figur im ganA zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schA ne, selbstA bewuA te Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafA r die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulenA te Geschichte zurA ck: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann MachtA bernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtauA send Juden in HamA burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze BlitzA krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fA nfundvierzigA tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und LiberaA lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der GrA nde sein mag, warum die Stadt unwissentlich den NA hrboden fA r Ulrike Meinhoff und die BaaA der-Meinhoff-Bande abgab – und Jahre spA ter fA r MoA hammed Atta und ein halbes Dutzend der FlugzeugA entfA hrer vom 11. September und ihrer MitA verschwA rer.
Ich hatte noch ein anderes Motiv fA r meine Wahl, ein ganz persA nliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mittA lerA weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die BriA tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinverA frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der KA lte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom SchuA . Da saA ich also, unschlA ssig, ob ich meine GeheimA dienstkarriere weiterverA folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann fA r die SchriftstelA lerei entschied, verlieA ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei AbA schieA de. Es war ein biA chen, als hA tte ich eine LiebesA affA re mit der Stadt begonnen und wA re dann A ber Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes BedA rfnis in mir auslA ste, die Beziehung da wiederA aufzunehmen, wo ich sie so rA de abgebroA chen hatte.
Frage: Nach vierzig Jahren?
Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daA ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rA ckblickend fA hlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals fA r ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman A ber DeutschA land -, und ich hatte mir den Vormittag A ber in einem FernA seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angeseA hen, in denen [[der anarchistische StudentenA fA hrer]] Rudi Dutschke seine AnhA nger gegen AmeA riA ka aufA peitschte. Als ich danach ins Hotel zuA rA ckA kam, erwartete mich eine Nachricht meiA ner SekretA rin in Cornwall: "Gehen Sie soA fort zum nA chsten FernA seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die ZwillingsA tA rme kraA chen zu seA hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke verA bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklA rte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der GloA balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hA rte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach auA en hin hA tte das MitA gefA hl fA r die Vereinigten Staaten kaum grA A er sein kA nnen: Kerzen auf ameA rA ikanischen TA rschwellen, eine herzergreifende BeileidsbekunA dung auf einem Transparent am BrandenburA ger Tor, und und und. InA A A offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjA hriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. FA r seiA ne Generation zumindest war Rudi DutschA kes Botschaft noch nicht gA nzA lich verhallt.
Frage: Und Annabel, Ihre deutsche BA rgerrechtsanwA ltin, die Issa vertritt - wo kam die her?
Antwort: Eigentlich hA tte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu HamA burgs A berbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen fA r eine IdealiA stin aus einer wohlhabenden AkaA deA miA kerfamilie entA schieA den, eine MenschenrechtsanwA ltin, und zwar eine mit einem gehA rigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenkeA risch, geA gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon A bertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrakA tiv. SchlieA lich gehA rt ja auch eine Portion seA A xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen eiA nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen muA te, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrA hren lA A t. Der Issa, den Annabel kennenA lernt, war im GeA fA ngA nis und ist gefoltert worA den. Die Folter ist eiA ne entA setzA liche Art von Ritterschlag. Wir nicht GefolA terten kA nnen mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes GeA wissen ihnen gegenA ber, wir wollen sie beschA tzen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels GefA hle. FA gen Sie der MiA schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen entA tA uschter Liebe ist komplett. Ich fand, die CheA A A mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.
Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?
Antwort: So wie meine BA cher immer aufgenommen werden. In meiA nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie A nA dern sich nicht groA . Diejenigen, die mich fA r A berschA tzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich fA r unterA schA tzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch aufA geA nommen worden ist. Jeder halbwegs seriA se SchriftstelA ler hat es im GefA hl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen MA glichkeiten zurA ckbleibt. Eine breite LeserA schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser HinA sicht sehr viel GlA ck gehabt. Ich halte dieA A ses Buch fA r eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wA rA de es mich natA rlich machen, wenn meine Leser derselben MeiA nung wA ren.
Frage: Sie sagten, Sie wA ren die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worA ber?
Antwort: Zum Teil darA ber, daA um mich herum so wenig Wut zu spA ren ist A ber das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer AtmosphA re der Panik unserer FreiA heitsrechte beraubt. Unsere AnwA lte gehen nicht auf die StraA e, wie es die AnwA lte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glauA ben am SchluA die Propaganda, die sie selbst verbreiA ten. Unser AuA enA minister muA eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtA tige Untersuchungshaft fA r TerA rorisA muA sverdA chtige durchgedrA ckt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muA nicht alt sein, um sich A ber so etwas aufA zureA gen. Wir haben unsere SouverA nitA t unserer a beA sonderen Beziehung“ zu Amerika geA opfert, an der keiner etwas Besonderes findet auA er wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, inA wieA weit DeutschA A land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.
Aber das ist alles heiA e Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.
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Sehr schwache Kost Januar 2, 2009 Henriette 0 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
In Summe ein sehr langweiliger Roman. Es kommt kaum Spannung auf und das erschreckende es gibt ausser ein paar Denkanstoessen ueberhaupt nichts Neues. Zu keiner der Personen kann irgenweine Art von Bindung oder Beziehung aufgebaut werden. Das Ende ist mehr als vorhersehbar. Was soll also so beeindruckend an diesem Werk sein? Bin doch sehr enttaeuscht.
Sagt alles und Nichts ueber die Geheimdienste Dezember 31, 2008 Bunkelwanz (Weil am Rhein) 1 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Issa, ein junger Moslem mit tschetschenischem Hintergrund fluechtet vor der Gefangenschaft und Folter in tuerkischen und russischen Gefaengnissen und gelangt illegal nach Hamburg. Dort findet er Hilfe bei einer engagierten Anwaeltin der Einwanderer-Hilfsorganisation Fluchtpunkt. Issa ist gleichzeitig Erbe eines Vermoegens an Blutgeld, das in einer Hamburger Bank gewaschen wird. Allein diese Konstellation reicht aus, damit sich die Geheimdienste dreier Nationen an seine Fersen heften. Es beginnt ein Gerangel an Kompetenzen innerhalb der Dienste und ein Spiel mit der Macht. Bis zum Schluss bleibt die Frage offen, wer dieses Spiel gewinnt bzw. wer die Marionetten im Spiel sind, die dem Buch den Titel geben . Insgesamt ein spannendes Buch, das, wie zu erwarten, sehr geheimdienstlastig geschrieben ist. Dies geht ein Bisschen zu Lasten der Charaktere, die weitgehend blass sind. Am Ende weiss man aber eigentlich nichts Neues - gute Unterhaltung, aber ohne das gewisse Etwas.
Brilliantes Werk Dezember 29, 2008 Jan Dark (Berlin) 1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dass John le Carre die US-Regierung wegen des Irak-Krieges "Junta" nannte, ist bekannt. Nun bekommt sie ihre brilliante Abrechnung fuer Guantanamo. Da ist der fluechtige Tschetschene Issa (Jesus), von dem wir wissen, dass er in zwei Laendern im Gefaengnis sass, aber von dem wir nicht erfahren, ob und welche Verbrechen er begangen hat. Es wird auch nicht gesagt, dass er selbst welche plane (wie es die "Dienste" nicht muede werden zu behaupten). Da ist die Annabel, die Ideali stin aus einer wohlhabenden Aka de mi kerfamilie und Buergerrechtsanwaeltin, die dem Issa zu Medizinstudium, legalem Aufenthalt und viel Geld verhelfen will. Und da ist der britische Banker Tommy Brue, dessen Bank zuerst in Wien (Oh Dritter Mann), dann in Hamburg russisches Schwarzgeld bluetenweiss waescht. Doch bei aller Tiefe der Personenbeschreibung und Darstellung ihrer Motive sind sie nicht Herr ihres Handels, sondern werden zu Marionetten eines miesen Spieles der "Dienste", die den Rechtstaat hassen und ihn umgehen, wenn sie ihn schuetzen sollen. So brutal hat le Carre noch nie mit der miesen Performance der Dienste abgerechnet (die im Sauerland in "Sprengfluessigkeiten" panschen, wo Taeter ohne Tat fuer die Absicht mit nicht funktionierenden "Bomben" lebenslang in das Gefaengnis gestopft werden und wo Liebesbriefe zu Verschwoerungen einer terroristischen Vereinigung umgedeutet werden). Keine einzige Leiche, kein Mord, kein Totschlag, keine wilden Verfolgungsjagden und dennoch stellen sich einem gruselig die Nackenhaare hoch, weil er so nah an der Realitaet schreibt, die uns alle noch im Ohr ist. Im Nachwort wird der Kurat Murnaz erwaehnt, der jahrelang von der "Junta" am Rechtsstaat vorbei ohne Tat in Guantanamo festgehalten wurde. Am Rande: ich habe das Buch in Englisch genossen und wurde nicht durch unterschiedliche Zwischenstaende korrekter deutscher Rechtschreibung vom Inhalt abgelenkt. Aber so sind wir: Fehler in der Rechtsschreibung finden wir, aber unser Bundespraesident unterschreibt bedenkenarm das BKA-Gesetz, das uns die le-Carre-Fiktion wieder ein Stueck naeher an die Realitaet bringt, und wir beschweigen es lauthals.
Wir alle sind Marionetten unseres eigenen Denkens. Dezember 29, 2008 Sandra Taibon 1 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
John le Carre skizziert in seinem Thriller eine Szenario, wie es sich tagtaeglich zutragen duerfte. Ein Illegaler wird verdaechtigt nur aus einem Grund hier zu sein - um Unheil zu stiften. Gesucht werden immer nur Beweise, die DAFUeR sprechen, niemals aber dagegen. Und so entsteht ein Schauspiel, das einerseits geradezu krotesk paranoid ist, andererseits aber genausogut Realitaet sein koennte. Und wenn man das Buch gelesen hat fragt man sich, ob nicht vieles was passiert einzig aus dem Grund so eintrifft, weil irgendwelche Geheimdienstler Boeses vermuten, wo nichts dahintersteckt. Eine Art selbstverfuellende Prophezeihung sozusagen. Das Buch duerfte all jenen Gefallen, die auch die Buecher von Robert Ludlum moegen. (Bourne-Trilogie, Ambler-Warnung etc.) Auch wenn dieses Buch weniger "actionreich", dafuer aber wesentlich subtiler ist.
anders als erwartet Dezember 28, 2008 Maren Frank (NRW) 1 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Melik, ein junger tuerkischer Boxer, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Immer wieder begegnet ihm ein junger Mann. Er kommt in Kontakt mit ihm; Issa ist illegal in Deutschland, er ist Tschetschene, sass in Russland bereits im Gefaengnis. Er spricht etwas Tuerkisch und erzaehlt, dass er nach Deutschland gekommen ist, um Medizin zu studieren, dieses Vorhaben aber nicht moeglich ist, da er sich nun verstecken muss. Melik und seine Mutter Leyla beschliessen ihm zu helfen, weitere Unterstuetzung bekommt Issa von der Anwaeltin Annabel Richter und einem Bankier. Geheimdienste sind hinter Issa her und halten ihn fuer einen islamischen Terroristen. Da Schwarzgeld eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielte, dass er nach Deutschland kommen konnte, verhaertet sich dieser Verdacht sehr bald ... Superspannend beginnt dieser Roman, doch leider wird es ab dem 2. Kapitel sehr langweilig; statt Tempo gibt es endlos lange Gespraeche und Szenen, in denen nichts oder kaum etwas passiert. Dazu kommt ein zaeher Schreibstil, Carre produziert meist richtige Bandwurmsaetze. Ich empfand diesen Roman als sehr ermuedend zu lesen. Vom Anfang war ich begeistert; es faengt direkt spannend an, doch dann zieht es sich leider, auch konnte ich mit keiner der Figuren etwas anfangen, der Funke sprang einfach nicht ueber. ch hatte einen schnellen Thriller erwartet das ist dieser Roman ganz sicher nicht. Das Thema an sich ist nicht uninteressant und wer gerne ueber Geheimdienste, Korruption und Verrat liest, ist mit diesem Buch bestens bedient.
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