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Philosophie ist sich selbst genug. Oktober 18, 2007 kpoac 10 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich
"Wer danach fragt, was das wahrhaft Seiende ist, der darf sich nicht an die uns umgebende Wirklichkeit halten und auf diese starren; er darf sich nicht an die vergaenglichen Dinge halten. Er muss vielmehr auf das Ewige und Immerseiende blicken, das ueber alle Wirklichkeit steht, ja, das in all unserer Wirklichkeit das einzige wahrhaft Wirkliche ist." (Parmenides, 5. JH v.Chr.) W. Weischedel (1905-1975) zeigt in anschaulicher, einfuehrender Weise den Kreislauf der Philosophie. 34 starke Philosophen zieht er zusammen, die erklaeren, was die Welt im Innersten zusammenhaelt, wie der Mensch sich in ihr bewegt und wie die Fragen an diese Welt die Menschen bewegt. Thales, der erste Vorsokratiker und Urvater der Philosophie fuehrt den Weischedelschen Reigen an, zurecht, denn die erste Frage vor 2500 Jahren ist so aktuell, dass sie heute noch die Gemueter und Geister beruehrt, wenn nicht gar trennt: Was ist das Wesen von alledem? Woher kommt, woher entspringt das alles? was ist der Ursprung von allem? Was ist das eine, das Umfassende, das Prinzip, dass macht, dass alles wird, ist und besteht? Weil Thales diese Fragen als erster stellte, wird er zum Urvater der Philosophie. Parmenides und Heraklit folgen als Zwillinge im Geiste, die beide auf unterschiedlichen Wegen erkennen, dass alles eins ist und wie erschrak einst Parmenides, als er dieses entdeckte. Ein ewig Stirb und Werde durchzieht die philosophischen Gedanken und so ist der Gehende der Platzmachende fuer Neues, damit dem Ganzen eine Ewigkeit und Unendlichkeit gegeben ist. Da, wo nichts geht und alles bleibt, ist Tod. Die Welt wird in der Tiefe des ewigen Seins zu ergruenden sein. Denkt man diesen Dualismus weiter von Sein und Nichtsein als Frage, so findet Parmenides die Wirklichkeit in der Verbindung von Sein und Nichts. Dieser Dualismus wird bei Sokrates in Fragen verwandelt und in einer dritten Stufe zu einer erhoehten, vielleicht goettlichen Synthese gefuehrt. Doch die Goetter sind vielfaeltig, sie unterstuetzen das Suchen und es findet sich alles wieder im Menschen. So sehen wir den Menschen wachsen in der unendlichen Liebe eines Platon und der teleologischen Perspektive des Einswerden mit der Gottheit, wie Aristoteles das der Welt immanente letzte Ziel definiert. Uns so vergehen die Jahrhunderte, doch die Frage des Thales bleibt, es aendern sich die Versuche einer Antwort und die Erklaerungen aus dem Mehrwissen kommen hinzu. Die Naturwissenschaft praegt den Logos, den Heraklit schon aufzeigte, die Einzigartigkeit oder das Eine wird zur Monade, der Mensch, das Ich zur Fixierung bei Fichte und der Pessimismus zur Grundfeste bei Schopenhauer oder gar zum Nihilismus bei Nietzsche, aber das Streben des Anfangs von Thales und Parmenides, zu werden als Mensch im Sinne des goettlichen Seins wird zur Atheismusdefinition bei Feuerbach, der den Menschen zum Schoepfer Gottes macht. Das Sein und das Nichts der ersten Philosophen befruchtete 2500 Jahre spaeter u.a. Heidegger und Sartre und mit Russel verfaellt die Philosophie in die Philosophie des Protestes bis dann Wittgenstein den Untergang des Redens ankuendigt, weil die Beschreibung des Ists voellig ausreiche. Weischedel gelingt es bestens, den Umfang des Philosophischen Denkens dem Leser naeher zu bringen, bestens im Sinne von neugierig machend. Dieses Werk ist nicht angelegt auf tiefe Analyse der einzelnen Vertreter. Mehr geht es um einen Ueberblick mit Zusammenhaengen. Sehr schade finde ich die kurzsichtige Art des Verlages wie des Verfassers, nicht eine Liste von Referenzwerken aufzulisten. Die Hauptwerke haetten es vielleicht getan. Dieses als Mangel in einem ansonsten sehr verstaendlichen Werk. Dass Raffael es begriff, was die philosophische Schule in Athen ausmachte, was ihr eigentliches Zentrum war, sehen wir in seinem beruehmten Bild, was zugleich Titelbild des Buches ist. In der Mitte sehen wir Platon und Aristoteles, Platon, die Hand nach oben weisend und seinen Timaios unter dem Arm, Aristoteles, die Hand gen Betrachter weisend mit der Ethik. Die Verbindung von pythagoreerischem Vernunft-Denken des Timaois und aristotelischer Ethik erzeugen eine Ganzheit.
Ziele nicht erreicht Oktober 6, 2007 T. Reitz 3 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Einen schnelleren und einfacheren Zugang in die Etage der grossen Denker der Weltgeschichte hatte Autor Wilhelm Weischedel versprochen. Tatsache ist aber leider, dass der Aufstieg ueber die philosophische Hintertreppe diese selbstgesteckten Ziele mitnichten erfuellen kann. Dem Autor gelingt es kaum, wirklich in die Tiefe der jeweils behandelten Denkstruktur vorzudringen, er bleibt statt dessen lieber an der Oberflaeche. Das ist zwar verstaendlich, wenn man den Versuch unternimmt, den Lebenslauf eines Philosophen und seine denkerischen Leistungen auf sieben bis zehn Seiten abzubilden, dennoch macht Weischedel es sich und seinen Lesern durch seinen praegnanzlosen und konstruierten Sprachstil schwer, die ohnehin schon komplizierten Denkmuster selbst oberflaechlich zu verstehen. Eine Uebertragung ins taegliche Leben, veranschaulicht an moeglichst einfachen Beispielen, fehlt voellig, sodass das gesamte Buch theoretisch und realitaetsfern wirkt. Ebenso gelingt es dem Autor nicht, die einzelnen Philosophen in ihren Gedanken voneinander abzugrenzen: So ist dem Leser irgendwann nicht mehr ganz klar, was genau der Unterschied etwa zwischen Parmenides und Heraklit war. Eine kurze und praegnante Zusammenfassung am Kapitelende, Querverweise zu vorherigen Kapiteln und gerne auch graphische Aufbereitungen waeren hier wuenschenswert gewesen. Es bleibt ein oberflaechlicher Einstieg, der dem unbedarften Leser lediglich eine kleine Kostprobe vom Buffet der Philosophie zu servieren vermag. Der ganzheitliche Ueberblick muss durch weitere Literatur erworben werden, weshalb die durch den Autor eigens postulierten Ziele nicht erreicht werden.
Eigentlich ist es der Vordereingang August 7, 2007 Liv (schaumburg, niedersachsen) 4 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Nach einverleiben des Schreibstils , ist es mir als Laien irgendwann dann doch gelungen in die tiefgruendige Welt der Philosophie einzudringen . Weischedel`s Werk durchleuchtet alle Epochen - vom alten Griechenland bis in die Moderne . Sokrates , Aristoteles, Descartes , Kierkegaard , Marx und wie sie alle heissen . Beim Lesen kam ich dabei schoen ins gruebeln , ueber die Welt und das Sterben , ueber die Liebe.....und jetzt weiss ich das ich nichts weiss Die philosophische Hintertreppe ist wissenschafftlicher aufgezogen als Sofies Welt und das ist auch gut so . Durch die kurzen Einblicke in die Theorien der grossen Philosophen , findet man doch persoenliche Vorlieben des Denkens. Und man erblickt deutlicher in welche Richtung man sich weiterinfomieren moechte. Fuer Interessierte , die einen wissenschaftlichen Einstieg , mit einen gewissen intellektuellen Stil suchen , genau das richtige.
Sophies Welt ohne Sophie Juni 23, 2007 Helmut Schmid (Ketsch) 4 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Was den Thailaendern ihr "Mai pen rai", das ist den Afrikanern ihr "Hakuna Matata": ihre ganz spezielle Art sorgloses Lebens zum Ausdruck zu bringen. Und diese Sorglosigkeit faerbt ab, soweit, dass sogar der beruehmte englische Liedertexter Tim Rice sie als Philosophie bezeichnet, wenn er seiner Figur Timon (aus "Der Koenig der Loewen") in den Mund legt: "Keiner nimmt uns die / Philosophie / Hakuna Matata" Dass Philosophie weit mehr ist als eine zweifelhafte Lebensart der Sorglosigkeit, das erfahren wir, wenn wir "Die philosophische Hintertreppe" erklimmen. Wilhelm Weischedel (1905-1975), selbst Philosoph aus pietistisch-schwaebischem Elternhaus, erwartet uns am rueckwaertigen Eingang seiner ganz speziellen philosophischen Akademie, und fuehrt uns - nebst Diele und Hausgang - durch weitere 32 Raeume. Dort stellt er uns 34 Denker ihrer Zeiten (Parmenides und Heraklit wohnen, ebenso wie Epikur und Zenon, in jeweils gemeinsamer Stube) und deren philosophisches Werk vor. Weischedel tut dies weitgehend allgemeinverstaendlich, schmueckt seine Vorstellungen mit Anekdoten und schleift damit hart an der Grenze des Populaerwissenschaftlichen. Doch das tut seinem Versuch keinen Abbruch. Das Buechlein ist lehr- und hilfreich. - Wie reimte doch Weichedel an anderer Stelle so sinnig: "Wer nie sein Brot mit Philosophen ass, / wer nie gedankenvoll am Ofen sass, / wer niemals schwanger von Ideen, wachte, / wer niemals in des Geistes Wehen dachte, / wer ueber allzu tiefes Denken lachte, / sein Leben ohne Geist zu lenken dachte - / des Wissen mag zwar durch das meiste geistern, / er wird doch nie das All im Geiste meistern."
Philosophie - so gehts :) März 4, 2007 Leseratte (Bad Duerkheim) 3 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Auf rund 300 Seiten 34 Philosophen - das muss man erst mal schaffen! Insofern ist aus meiner Sicht die Kritik der anderen Rezensenten nicht berechtigt. Natuerlich MUSS der AUtor auf so wenigen Seiten an der Oberflaeche bleiben und kann die jeweiligen Philosophien jeweils immer nur ankratzen. Das ist aber aus meiner SIcht gelungen - und auf alle Faelle empfehlenswert fuer Leute, die sich fuer Philosophie interessieren.
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