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Glueck gehabt: Nicht "die groessten Hits aller Zeiten" Oktober 5, 2006 Frank Joericke 2 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Es ist schon seltsam, wie viel gute Musik man in seinem Leben verpasst. Das wird einem immer dann bewusst, wenn man auf einen Song stoesst, der einem ehedem, als er auf den Markt kam, entgangen ist. Wie "Heaven in the afternoon" von Lew Kirton aus dem Jahr 1978. Das Schreckliche daran ist der Gedanke an all die Lieder, die man damals NICHT verpasst hat. Songs, die bis zum Erbrechen auf einen einwirkten, weil die Radiostationen sie Monat fuer Monat rauf und runter nudelten. Zumutungen wie "Hopelessly devoted to you" von Olivia Newton-John, "Baker Street" von Gerry Rafferty oder "Mexican girl" von Smokie. Und es kommt noch schlimmer: Heute, in Zeiten der Oldiesender, kehrt das Grauen zurueck. Denn natuerlich spielen SWR1 & Co nur "die groessten Hits aller Zeiten" und nicht Songs, die es schon damals verdient gehabt haetten, Gehoer zu finden. Umso mehr ist das Verdienst der SZ-Diskothekare zu wuerdigen, die Schaetze wie "Heaven in the afternoon" auf Ihren Jahres-Auswahl-CDs vorm Vergessen retten. So finden sich auf der 1978er-Edition, neben Kirtons Diskohymne, noch weitere damals leider verpasste Sternstunden des Pop (wie Linda Cliffords "You are, you are"). Und kein "Mexican girl".
Mittelklasse Juli 22, 2005 Atomico 11 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich
Bei einem ersten Buch einer langen Reihe sollte man eigentlich einiges erwarten, aber leider ist es nur mittelklasse. Zu viele Fotos, vorallem von Witzigmanns Menues, aber die vorhandenen Texte sind ganz gut und unterhaltsam. Am besten ist natuerlich das Interview mit Sid & Johnny von den Sex Pistols. Es zeigt den wahren Charakter des Punk. Die Musikauswahl ist allerdings sehr eigenwillig. Disco, Disco , Punk & Unbekanntes. Ich hatte mal eine BASF Kassette mit der Aufschrift Pop78 mit Songs aus dem Radio aufgenommen, die haette das Jahr 1978 wesentlich besser wiedergegeben. Uebrigens hat ausserhalb von NewYork und London die Punkbewegung noch keine wesentliche Rolle gespielt. Im Nachherein wird immer alles umgedeutet und zurechtgelegt wie man es halt braucht, die Wirklichkeit war wie immer ganz anders. Fuer mich als Teenager aus Deutschland gab es neben Discomusik, Art- & Westcoastrock eigentlich nur noch Hardrock & Suzi Quadro. Nina Hagen war die beruehmte Ausnahme. Ja so war das halt...
Der Zenit von Disco und Punk Juli 14, 2005 timediver (Offenbach am Main, Europe) 6 aus 7 fanden die folgende Rezension hilfreich
Im ersten Kapitel "Sonntagmorgen" beschreibt Philipp Oehmke Gegensaetze und Gemeinsamkeiten der beiden Musikrichtungen, die im Jahre 1978 die Popmusik beherrschten: "Punk" und "Disco" waren zwar gleichermassen Ausdruck einer Unzufriedenheit. Waehrend "Punk" jedoch aus der Mittelklasse kam und nihilistisch gepraegt war, wurde "Disc" von den gesellschaftlichen Aufsteigern, die dem Hedonismus froenten, bevorzugt. Mit "We Are The Champions" von Queen und "Mull Of Kintyre" werden die groessten (Rock)hymnen des Jahres erwaehnt, auf der beigefuegten CD sind sie jedoch ebenso wenig vertreten, wie die Songs aus "Saturday Night Fever" und "Grease", den beiden 1978er Filmerfolgen. Neben weiteren Hinweisen auf die Ereignisse des Jahres gibt es aus einem Interview mit John Travolta. Auch die musikalischen Experimente der Rolling Stones, Rod Stewarts, David Bowies und anderer, die sich bei ihren Plattenaufnahmen, von Discomusik inspirieren liessen, werden angefuehrt. Ausserdem wird die weitere Entwicklung der "Punkmusik" und Wandlung in "New Wave", "(Deutsch-)Rock", "Neue Deutsche Welle" usw. aufgezeigt... In "Das Jahr in Bildern" erfolgt eine Visualisierung der Themen, die im ersten Kapitel angesprochen werden. Hierzu gehoeren neben Fotos der musikalischen Protagonisten auch Bilder weltpolitisch historischer Ereignisse. "Das Fundstueck" beinhaltet ein Interview, das John Tobler mit Johnny Rotten und Sid Vicious, den Protagonisten der britischen Punkband "The Sexpistols", fuehrte. Im letzten Kapitel des 80seitigen, handlichen Buches wird jedes der zwanzig, auf der beigefuegten Audio-CD vertretenen, Musikstuecke unter einer Abbildung seines jeweiligen Plattenlabels vorgestellt. Die Schwerpunkte der gelungenen Zusammenstellung liegen in Songs aus den breitgefaecherten, stilpraegenden Richtungen "Disco" und "Punk", mit Chic, Gloria Gaynor und Rose Royce einerseits, sowie Blondie, Ramones, The Only Ones und Nina Hagen Band andererseits. Waehrend die Patti Smith Group mit "Because The Night" einen mittlerweile zum Klassiker gewordenen Titel vertreten ist, gibt es von The Normal eine elektronische Musik zwischen Pop und Avantgarde, einem Vorlaeufer der Depeche Mode. Neben einem brasilianischen Samba ist mit "Angelina" von den Sweet Talks ein Song aus Afrika zu hoeren, der an das acht Jahre spaeter erschienene Album "Graceland" von Paul Simon erinnert. Warren Zevon mit seiner Ballade "Accidentally Like a Martyr" und Marvin Gayes "Everybody Needs Love" bilden den Abschluss der Audio-CD. "1978 - Ein Jahr und seine 20 Songs" ist empfehlenswert. Mit 4 Amazonsternen zu bewerten, laesst es den Leser/Hoerer das Erscheinen weiterer Jahresbaende mit Spannung erwarten......
1978: Genius zwischen WM und LSD Juli 8, 2005 E. Baeuerle (Rostock) 2 aus 9 fanden die folgende Rezension hilfreich
1978 war so toll wie diese CD: Argentinien praesentierte bei der WM einen glanzvollen Diego Maradonna auf dem Peak seines Koennens, die Sex Pistols schwadronierten in den Medien durch ihren Drogennebel vom Ende des Rocks und Disco explodierte uns allen ins Gesicht. Dies schmucke Buechlein legt Zeugnis ab von den Geschehnissen. Die CD im Buch ist genial in der Auswahl stilpraegender Stuecke, die seit ihrer Erstpressung kein bisschen gealtert sind. Das waren die Tage, in denen Musik noch gelebt wurde. Sid Vicious zieht im Interview auf das Boeseste ueber Queen her und Blondie sieht aus, als wenn sie auf der Buehne eingeschlafen waere - toller Schnappschuss! Wer sich reinfuehlen will in die laengst vergangene Zeit vor Rauchverboten, Sitzpinklern und sanften Geburten: Es war 1978, liebe Kinder. Es war gefaehrlich, aber gut!
Qualitaet aus einem Guss Juni 17, 2005 Kai Ruder (Greven) 16 aus 17 fanden die folgende Rezension hilfreich
Als leidenschaftlicher Sammler lasse ich in der Regel ‚Best-Of'- und andere Zusammenstellungen eher links liegen und ziehe Originalalben vor. Doch kann man bekanntlich nicht alles kaufen, auch ist einem im Laufe der Geschichte sicherlich die eine oder andere Glanzleistung entgangen. Dieser Sampler verdient allerdings Beachtung: Die Auswahl hervorragender Stuecke beschraenkt sich nicht auf sattsam bekanntes Material, sondern beruecksichtigt auch Aufnahmen, die voellig zu Unrecht ein Schattendasein auf den Alben der Kuenstler fristen mussten. Bei der Zusammenstellung waren offensichtlich Experten am Werk, die einem hohen Anpruch gerecht werden wollten und es auch wurden. Ueberraschend: Obwohl Musik sehr unterschiedlicher Herkunft ausgewaehlt wurde, funktioniert die CD, wenn man sie in einem Stueck durchhoert - das Prinzip Qualitaet stellt die Einheit her. Hoechst erfreulich ist auch die handliche Buchform mit witzigen Bildern und lesenswerten Texten; auch der Preis stimmt, sodass das Fazit lautet: sehr zu empfehlen, nicht nur fuer Pop-Historiker.
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