Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie | 
vergrössern | Autor: Barack Obama Urheber: Barack Obama, Matthias Fienbork Verleger: Hanser Belletristik
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Bewertung: 14 Rezensionen Verkaufsrang: 229
Medium: Gebundene Ausgabe Ausgabe: 1 Seiten: 448 Versandgewicht: 1.4 Maße (innen): 8.6 x 5.9 x 1.3
ISBN: 3446230211 EAN: 9783446230217 ASIN: 3446230211
Publikation: Februar 4, 2008 Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen Zustand: Originalverpackt -
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Aus der Amazon.de-Redaktion Bis zu seine Ankuendigung, er wolle demokratischer Praesidentschaftskandidat werden, kannte kaum jemand ausserhalb von Illinois Barack Obama. Dass der Senator aus diesem Bundesstaat schon wenige Monate spaeter als Shooting-Star der Primaries und charismatischer Hoffnungstraeger gefeiert wurde, hat das politische Establishment in seinen Grundfesten erschuettert. In seiner Autobiografie erzaehlt er von seinen ersten 34 Lebensjahren. Obama ist nicht nur aufgrund seines raschen Erfolgs ein Phaenomen. Er ist sperrig und laesst sich nur schwer irgendeinem Lager zuordnen; wenig verwunderlich, dass die amerikanischen Demoskopen regelmaessig in ihren Vorhersagen scheitern. Obama ist schwarz, stammt aber nicht von aus Afrika verschleppten Sklaven ab. Sein Vater kam aus Kenia als Gaststudent in die USA, die Mutter ist eine weisse Amerikanerin aus Kansas. So ist er vielen Schwarzen zu weiss und hat bei den ersten Vorwahlen im "weissen" Iowa demonstriert, dass er eine Mehrheit unter weissen Waehlern einfahren kann. Anderen wiederum gilt er wahlweise als neuer Martin Luther King oder J.F. Kennedy. Obama tritt in einem Land an, das hinsichtlich seiner verschiedenen Ethnien noch immer tief zerissen ist, in dem die Konfliktlinien auch fuer Insider mitunter schwer verstaendlich sind. Seine Autobiografie zeigt, wie sich diese Zerrissenheit in dem Werdegang eines Mannes spiegelt, der lange um seine Identitaet rang. Obamas Autobiografie ist 1995 zum ersten Mal erschienen. Er nennt sie einen "Beitrag zum Verstaendnis der Rassenprobleme in unserem Land..." Aus ihr laesst sich einiges ueber die fruehen Praegungen des Newcomers erfahren und auch ueber seine Visionen von einem neuen Amerika. Dass er diese Erinnerungen heute anders schreiben wuerde, darf als gesichert gelten. So erzaehlt er freimuetig von studentischen Marathon-Partys mit naechtelangen Diskussionen, jeder Menge Dosenbier und Zigaretten. Es sind Passagen wie diese, die nicht zum klassischen Image eines Praesidentschaftskandidaten passen wollen, die aber etwas Wichtiges leisten: Sie helfen, eine Persoenlichkeit zu verstehen, die ihren eigenen, keineswegs immer geraden Weg gegangen ist; die eine juristische Karriere in Harvard begann, dann aber in der armen Chicagoer South Side Buergeranwalt wurde, sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft kuemmerte und erst langsam in die Lokal-, Landes- und schliesslich nationale Politik hineinwuchs. Entstanden ist eine fast intime Autobiografie, "eine persoenliche, innere Reise ... die Suche eines Jungen nach seinem Vater und damit auch nach einem ueberzeugenden Lebensinhalt fuer ihn, den schwarzen Amerikaner." --Henrik Flor, Literaturtest
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Begnadeter Schriftsteller Dezember 29, 2008 Steffen Herrmann 1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich
Barack Obama ist, neben allem anderen auch, ein begnadeter Schriftsteller. Er schreibt fluessig und fesselnd und dabei mit einer analytischen Praegnanz, die selten ist. Das Buch macht seinen furiosen Aufstieg plausibel. Die Umstaende seiner Biographie (in Indonesien und Hawaii aufgewachsen,mit amerikanischer Mutter und kenianischem Vater) macht ihn eher zu einem Weltbuerger als zu einem typischen Amerikaner). Seine Kindheit war nicht arm, doch in unmittelbarer Naehe von Armut. Von Anfang an beobachtete er genau und man glaubt ihm, dass die Menschen ihm wichtig sind. Am meisten beeindruckt mich die erste eigene Entscheidung, die er in seinem Leben getroffen hat. Nach seinem Studium begann er in einem Buero in New York zu arbeiten. Gut ausgebildet,intelligent und smart, war er dafuer praedistiniert, eine klassische Karriere zu machen. Doch schon nach kurzer Zeit verliess er diese komfortable Position um Stadtteilarbeit zu machen: Unglamouroes, schlecht bezahlt, nahezu hoffnungslos. Das beweist, dass er von seinem Charakter her wirklich selten ist, gerade in unserer Zeit, deren Erfolgsverstaendnis eindimensional geworden ist. Was mich ueberraschte: Welche Rolle die Hautfarbe in seinem Leben und in seinem Denken spielt. Sie ist, neben seinem fast unbekannten Vater, eine der Haupttriebkraefte seiner Entwicklung. Das Buch verstroemt Optimismus und Kraft, es spornt an und ist dabei weder pathetisch noch eitel. Am Ende bleibt dennoch eine Frage: Wie kann jemand nur so perfekt sein? Er hat sogar richtig pubertiert.
Der leibhaftige amerikanische Traum Dezember 23, 2008 Mario Pf. (Oberoesterreich) 7 aus 9 fanden die folgende Rezension hilfreich
Vom Sohn eines kenianischen Ziegenhirten zum 44. Praesidenten der Vereinigten Staaten - Barack Obamas Lebensgeschichte kann sich sehen lassen und auch wenn man Politiker im Grunde an ihren Leistungen messen sollte, so kann es sich doch lohnen, sich mit den familiaeren Hintergruenden des "schwarzen Kennedys" zu befassen. Und "Ein amerikanischer Traum: Die Geschichte meiner Familie" ist dafuer die beste Quelle, denn das Werk zeichnet nicht nur Obamas Familiengeschichte nach, sondern wurde vom 44. Praesidenten der Vereinigten Staaten persoenlich verfasst. Dadurch ist es schon einmal erheblich authentischer als der Grossteil jener Biografien die nach 2008 erscheinen werden, vor allem weil Obama direkteren Zugang zu den Personen hatte und seine Eltern wie Grosseltern bereits verstorben sind. Dazu kommt, dass Obama seine Biografie vor dem Beginn seiner politischen Karriere im Landtag von Illinois verfasst hat, nachdem ihm ein Verleger anlaesslich seiner Wahl zum ersten afroamerikanischen Praesidenten der in Fachkreisen sehr renommierten Harvard Law Review einen Buchvertrag angeboten hat. Somit ist das Buch relativ frei vom Einfluss der Wahlkampfstrategen und PR-Berater, die Obama 2008 zum Sieg in den Praesidentschaftswahlen verholfen haben, waehrend die Wahrscheinlichkeit dass hier ein Ghostwriter am Werk war, zugleich erheblich geringer ist, als im Falle von "Hoffnung Wagen" (Originaltitel: The Audicity of Hope), dass 2004 im Rahmen eines auf 3 Buecher ausgelegten Vertrages erschienen ist, nachdem die Neuauflage von "Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance" (Ein amerikanischer Traum) bis Sommer 2005 fast 40 Wochen in der New York Times Bestsellerliste ueberstanden hat und als von Obama gesprochenes Hoerbuch 2006 sogar einen Grammy abgeraeumt hat. Der Erfolg der beiden Werke Obamas mag dazu beigetragen haben, dass sich in seinen Reden immer wieder Querverweise auf die Biografie finden lassen und es Redenschreibern und Ghostwritern so gut gelungen ist, den persoenlichen Stil Obamas fuer seine Ansprachen zu verwenden, was vielleicht zu seinem Ruf als brillanten Rhetoriker und sehr "authentischen" Vortragenden, auch wenn er vom Teleprompter abliest, beigetragen hat. Manche Passagen moegen sich fuer Obamas politische Ambitionen sogar als hinderlich erwiesen haben, wie er im Vorwort zur Neuauflage von 2004 sogar anmerkt, jedoch aendert das nichts daran, dass er sein Buch im grossen und ganzen genau so wieder geschrieben haette. Allerdings muss man anmerken, dass manche der verhaengnisvollen Stellen zwar auszugsweise gute Munition fuer Gegner abgeben, die Lektuere des Gesamtwerks jedoch viel dazu beitragen kann, die Beweggruende und Umstaende zu verstehen. Grob unterteilen laesst sich Obamas Biografie in die drei Abschnitte Kindheit, Chicago und Reise nach Kenia. Dabei erzaehlt er jedoch weniger seine Lebensgeschichte, als vielmehr in der Tradition der in den USA sehr beliebten Ahnenforschung seine kulturelle und persoenliche Identitaetssuche herauszuarbeiten. Das fuehrt vor allem dazu, dass das Werk am Ende etwas unvollstaendig bleiben muss und viele Ereignisse nur im Schnelldurchlauf abgehandelt werden, waehrend er der Suche nach sich selbst erheblich mehr Platz einraeumt. Daraus resultiert auch, dass das Werk mit der Reise in das Heimatland seines Vaters und den Erlebnissen dort, endet. Was aus Barack Obama nach seiner Rueckkehr in die USA wurde, der Beginn seines Studiums in Harvard, die Wahl zum Praesidenten der Harvard Law Review, die Arbeit als Anwalt und die ersten politischen Gehversuche bei der Waehleregistrierung, ja sogar die beginnende Beziehung zu seiner spaeteren Frau Michelle Robinson, all das fehlt, da die Erzaehlung ungefaehr 1988 endet. Manches laesst sich allerdings in Obamas zweitem Buch "Hoffnung wagen" nachlesen, welches allerdings eher als politisches Manifest/Analyse zur Lage der Nation gilt. Obwohl die Biografie, dem deutschen Journalisten Christoph von Marschall zufolge, weitgehend der Wahrheit entspricht und von verschiedenen Quellen bestaetigt wurde, hat sich Obama einiger "Tricks" bedient, indem er nicht nur neue Namen fuer manche Zeitgenossen kreiert, sondern auch manche Personen fusioniert und Worte in den Mund gelegt hat, die so zwar nicht gefallen sind, aber grob dem Gespraechsinhalt entsprochen haben. Das aendert natuerlich nichts am hohen Wert des Werkes als biografischer Quelle, wenngleich es als Autobiografie eher ungeeignet ist. Zum Teil liegt das daran, weil dem Buch eindeutig ein Inhaltsverzeichnis fehlt, aber auch aufgrund des fehlenden Namens- oder Personenregisters. Interessant waeren im Zusammenhang mit einer Autobiografie auch Fotos gewesen, die sich jedoch einzig und allein auf dem Umschlag finden. Ergo bleibt vieles dem persoenlichen Vorstellungsvermoegen ueberlassen und das passt gut zu Obamas Stil, der sich in "Ein amerikanischer Traum" von seiner betont vertraeumten, romantisierenden Seite zeigt. Obwohl es ein sehr persoenliches Stueck Geschichte ist und Obama als Autor durchaus immer wieder Einblick in seinen Gedanken- und Gefuehlswelt bietet, bleibt er unbemerkt relativ oberflaechlich, was daran liegen koennte, dass er sich, wie er zugibt, manche Dinge doch vom Hoerensagen her selbst zusammenreimen musste. Dass es dabei zu einer Verklaerung mancher Ereignisse gekommen sein kann, muss man ihm als Autor zugestehen, denn die subjektive Perspektive ist in einer Autobiografie durchaus gewollt, besonders wenn er seinem Umfeld gegenueber kritisch auftritt. Hinter der blumigen Sinnsuche verbirgt sich jedoch auch die typisch amerikanische Begeisterung fuer Ahnenforschung, der Versuch ueber seine Abstammung an das Lebenswerk der Ahnen anzuknuepfen und sich direkt in die Tradition der "amerikanischen Helden" zu stellen und sich so zusaetzlich im historischen Kontext Legitimation fuer seine Anliegen zu verschaffen. Bei Obama dient dieser Versuch zwei Zielen, einerseits ihn als liberal zu positionieren und andererseits als Verkoerperung des American Dream darzustellen, wobei alle Zweifel an seiner Bindung zur black community ausgeraeumt werden sollen. Dabei stellt das Argument, dass Obamas Vater keineswegs ein einfacher Ziegenhirte aus Kenia war, sondern nach dem Besuch einer britischen Kolonialschule mit einem Stipendium in den USA und sogar Harvard studierte, kein wirkliches Hindernis dar, die Betonung dieser einfachen Herkunft, wie in der Rede vor dem Demokratischen Parteitag 2004, ist lediglich eine von vielen Floskeln, denen sich Obama aufgrund seiner besonderen Herkunft bedienen kann. Barack Obamas Geschichte beginnt naemlich nicht mit seiner Geburt, sondern in der Jugend seiner Grosseltern. Stanley Dunham wuchs selbst bei seinen Grosseltern auf, nachdem sein Vater, der Frauenheld, die Familie verlassen und seine Mutter sich das Leben genommen hatte. Gramps, wie er von seinem Enkel spaeter liebevoll genannt wurde, der mit seinen zurueckgekaemmten Haaren aussah, wie ein "Itaker", flog bereits als Kind kurz von der Schule, nachdem er einen Lehrer geschlagen hatte. Spaeter zog er auf der Suche nach dem grossen Abenteuer und Gelegenheitsjobs durch die Staaten und fand in Madelyn Lee Payne eine Frau die von seiner Weltgewandtheit fasziniert war. Mit dem Kriegseintritt der USA, meldete sich Gramps freiwillig zur Armee und so wurde ihre gemeinsame Tochter Ann 1942 auf einem Armeestuetzpunkt geboren. Nach mehrfachen Umzuegen verschlug es die Dunhams nach Hawaii, wo die 68erin Ann den idealistischen Austauschstudenten Barack Hussein Obama kennen lernte. Obama senior war waehrend der Kindheit und Jugend seines Sohnes weitgehend eine nicht greifbare Figur, welche nach der Scheidung von Ann Dunham nur noch ein einziges Mal in das Leben des jungen Barack trat, als er die Familie eines Weihnachtens fuer einige Wochen besuchte. Bis zu seinem Unfalltod, dem Treffen mit seiner Halbschwester Auma und der Reise nach Kenia blieb Obama sr. eine Projektionsflaeche fuer den Sohn im fernen Amerika. Nach der Heirat seiner Mutter mit dem indonesischen Austauschstudenten Lolo Soetoro, aus der Halbschwester Maya Soetoro-Ng hervorging, uebernahm dieser zumindest fuer einige Zeit die Vaterrolle fuer den Jungen, bis "Barry", wie er meist genannt wurde, wieder in die USA zurueckkehrte und fortan bei seinen Grosseltern lebte. In einem Land wo Minderheitenpolitik immer mehr hinterfragt wird und demografisch bedingte Entwicklungen die Illusion von einer mehrheitlich protestantisch gepraegten weissen angelsaechsischen Nation laengst zur Vergangenheit gemacht haben, steht Barack Obamas Erfolgsgeschichte fuer einen bedeutenden Ausnahmefall, hat er es doch als erst dritter Afroamerikaner in den Senat und als bisher ueberhaupt einziger ins Oval Office geschafft. Dennoch ist seine ungewoehnliche Lebensgeschichte zwar Beispiel fuer die Moeglichkeiten des American Dreams, entzieht sich aber zugleich des Versuchs der Nachahmung, denn am Ende relativiert sich alles, am Ende ist er der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der bei den Grosseltern aufgewachsen ist, jedoch immer gute Schulen besuchen konnte und "die Verzweiflung und die Unruhe der Ohnmaechtigen [...] wie sie das Leben der Kinder auf den Strassen von Djakarta, Nairobi und in der Chicagoer South Side beeinflusst, wie schmal der Grat zwischen Demuetigung und grenzenloser Wut ist, wie schnell aus Hoffnungslosigkeit Gewalt wird" nie am eigenen Leib erfahren musste, sie jedoch aus seinen Beobachtungen als Kind, Sozialarbeiter, Anwalt und Politiker kennt. Change we can believe in, mag er seinen Waehlern 2008 versprochen haben und doch sollte man nach 8 Jahren George W. Bush nicht von antiamerikanischen Bush-Bashing in bequeme Heldenverehrung verfallen, sondern auch Barack Obama, wie jeden Politiker an seinen Taten und nicht den Worten messen. "Ein amerikanischer Traum" ist keine Offenbarung, es ist die Hintergrundgeschichte zum Symbolcharakter Praesident Obamas, der darin Ideale formuliert hat, an denen er legitim gemessen werden kann. Veraenderung sei nur von der Basis aus moeglich, daher wollte er Stadtteilarbeit machen und daher ist "Yes, we can!" ein Wahlspruch der wie kein anderer zu ihm passt, denn er entspricht Obamas Grundueberzeugung, dass nur die amerikanische Gesellschaft die Kraft besitzt, die USA zu veraendern. Und man ist geneigt ihm zuzustimmen, ist er doch ein scharfsinniger Beobachter, dessen Schilderungen der Chicagoer South Side auch viel dazu beitragen, umstrittene Persoenlichkeiten wie Jeremiah Wright und die gesellschaftlichen Probleme der USA zu begreifen. "Ein amerikanischer Traum" verkoerpert einen besonderen Charme, das Buch ist aufrichtig und vertraeumt, eine fast romanartige Suche nach Herkunft und Identitaet. Da es noch vor Beginn der wirklich politischen Karriere Barack Obamas entstanden ist, ist es wahrscheinlich auch erheblich authentischer und naeher am "wahren Obama" dran, als alles was nach 2004 kam. Indes bleibt das Buch in vielerlei Hinsicht sehr schwammig, was es als Biografie zwar sein darf, aber enttaeuschend wirken laesst, wird doch allein das afroamerikanische und liberale Erbe Obamas behandelt, was ihn allein aber noch nicht ausmacht. Was fehlt ist das Leben fern der Suche nach sich selbst, die nackten Fakten, auch jene ueber Leben und Liebe. Fakt ist, obwohl 1995 erschienen, behandelt das Werk nur Obamas Leben bis 1988 und konzentriert sich dabei vor allem auf die kulturellen und familiaeren Aspekte, wobei vieles aussen vor bleibt, etwa seine Jahre in und nach Harvard. Ist man vom oft ausschweifenden und blumigen Stil des US-Praesidenten nicht ganz hin und hergerissen, ja wuenscht man sich ab und zu, vielleicht etwas konkretere Informationen ueber Obamas Leben, man koennte enttaeuscht sein. Das heisst nicht, Obamas Werk waere nicht authentisch, denn genau das ist es. Gefuehle, Gedanken, Einsichten, Obama vermittelt sie hervorragend, nichtsdestoweniger ist es die Synthese aus dieser emotionalen Tiefgruendigkeit und einer kaum beachteten biografischen Oberflaechlichkeit, aufgrund derer man sich klar sein sollte, dass Obamas "Autobiografie" in vielerlei Hinsicht den gaengigen Vorurteilen entspricht. Inhaltliche Unausgewogenheit, viele Anekdoten, uebermaessige Betonung von bestimmten Handlungsstraengen und all das als Folge der Vorgabe, des Titels und dieser ist im Original eben "Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance". Das Ergebnis ist eine Biografie, wie man sie von Barack Obama eben erwartet. Wortgewaltig und doch traeumerisch, eine Suche nach dem Erbe eines Mannes den er nie kannte, dessen Idealen er sich aber irgendwie trotzdem verpflichtet fuehlt. Die daraus resultierende Unterordnung des "Lebenslaufs-Teils" unter die "Identitaetssuche" muss man jedoch schlucken, genauso wie die fehlenden 7 Jahre zwischen der Kenia-Reise 1988 und dem Erscheinungsdatum 1995, diese passten nicht mehr ins Konzept. Ebenso wenig erfaehrt man ueber politische Zielsetzungen oder Persoenliches, sofern letzteres nicht mit der Suche nach sich selbst oder Kindheitserinnerungen zu tun hat. Was unterm Strich bleibt sind 90% Roman ueber die Suche nach den Wurzeln und 10% Biografie, die es auf mehrere 100 Seiten ausgedehnt sicher bald in den ersten Barack H. Obama-Biografien nachzulesen gibt. Einzig der Bonus, dass das Werk von Obama selbst geschrieben ist und viele der Quellen die er dazu nutzen konnte, bereits verstorben sind, koennen es langfristig von den Werken Dritter abheben. Fazit: Auch inhaltlich etwas vertraeumt und ganz eindeutig Obamas Stil entsprechend, eine fast romanartige und vor allem sehr authentische, gefuehlsbetonte Autobiografie ueber die Suche nach einer Antwort auf die Frage "Wer bin ich?".
American Dream come true Dezember 22, 2008 Thomas Reuter (Duesseldorf) 14 aus 16 fanden die folgende Rezension hilfreich
In der enthusiastischen Stimmung nach Obamas Wahl habe ich mir dieses Buch des kuenftigen Praesidenten der USA besorgt. Es handelt sich um seine Autobiographie - aber das Erstaunliche ist, dass sie bereits 1995 erschienen ist, von einem Niemand also, der gerade einmal am Anfang seiner 30er sein Jurastudium beendet hatte und sich eine einjaehrige Auszeit nahm, um dieses Buch ueber sein Leben und seine Familie zu verfassen. Gleichwohl ist es von einem Menschen verfasst, der sich zu Hoeherem berufen fuehlt und der weiss, dass er es erreichen wird. Natuerlich hat auch ein Obama vor 14 Jahren nicht geahnt, dass in ihm ein kuenftiger Praesident der Vereinigten Staaten schlummert. Und so handelt es sich - gemessen an der spaeteren staatstragenden Bedeutung des Autors - um ein aussergewoehnlich offenes und privates Buch. Ein aussergewoehnlicher Fall, denn normalerweise erscheinen solche Lebenserinnerungen erst im nachhinein und sind versehen mit allen Finessen der Distanzierung, die das Amt nun einmal mit sich bringt. Hier lesen wir die erfrischende Geschichte eines Unbekannten, welchem allerdings aufgrund seiner ungewoehnlichen familiaeren Geworfenheit eine aussergewoehnliche Lebensgeschichte blueht. Barack ist der einzige Sohn einer amerikanischen jungen Frau und eines aus Kenia stammenden schwarzen Studenten. Die Ehe geht bald in die Brueche und die Mutter, die offenbar zu exotischen Lebensformen neigt, nimmt mit ihrem kleinen Jungen Reissaus nach Indonesien, wo sie mit einem zweiten Mann lebt. Dort verbringt der kleine Obama die ersten Jahre seiner Erinnerung und entwickelt schon frueh ein Gefuehl dafuer, an einem fremden Ort zu leben, wo sie eigentlich nicht hingehoeren. Erste Reflexionen ueber Heimat und Fremdheit draengen sich bereits dem jungen Obama auf. Der Lebensentwurf in Indonesien scheitert. Mutter und Sohn kehren zurueck in die USA - nach Hawai. Fortan lebt die Familie zusammen mit den Eltern der Mutter. Der junge Barack Obama waechst bei den Grosseltern auf. Der mehrwoechige Besuch des Vaters aus Kenia ist eine besonders lesenswerte Episode. Am meisten beeindrucken allerdings die Reflexionen und Einsichten ueber das Schwarz-Sein in der Welt der Weissen. Die Komplexitaet dieses Problems wird einem nicht-amerikanischen durch die Bewusstseinsschaerfe Obamas erst wirklich klar. Besonders stark in diesem Zusammenhang ist dann auch die Passage, in der die versteckten Vorurteile der eigenen Grossmutter deutlich werden - nicht gegenueber ihrem Enkel, aber im allgemeinen. Hier wird einem einmal deutlich, welch tiefe Bewusstseinsdimensionen Xenophobien beruehren - jenseits aller Multi-Kulti Ideologie. Umso erstaunlicher ist es, dass es Obama gelungen ist, die Hautfarbe nicht zum Wahlkampfthema zu machen. Ein weiterer grosser Teil des Buches betrifft seine politischen Lehrjahre als "Organizer" in den verkommenen sozialen Wohnbausiedlungen Chicagos. Hier verdient sich Barack in seinen 20er Jahren seine Sporen. In den Ghettos Chicagos versucht er - getragen vom Enthusiasmus ueber den ersten schwarzen Buergermeister Chicagos in den 80er - Gutes zu tun. Nach zwei Jahren sozialer Arbeit bekommt er ein Stipendium und geht nach Harvard. Auch hier wieder die Auseinandersetzung, die alle erfolgreichen Schwarzen trifft: Bist du einer von uns oder von denen. Aber Obama findet Alternativen zu diesen Optionen, einen mittleren Weg, der ihn bis an die einsame Spitze der Vereinigten Staaten gefuehrt hat. Ein letzter Teil spielt in Kenia, wo Obama vor seinem Studium seine vaeterliche Familie aufsucht - der Vater ist bereits verstorben - und sich mit seinen Urspruengen auseinandersetzt. Dieser Teil weist kulturell eine ganz andere Faerbung auf und liest sich ausnehmend interessant. Insgesamt handelt es sich um eine ausgesprochen interessante Lektuere, die sich auch literarisch ueberhaupt nicht zu verstecken braucht.
Kompakt und intelligent Dezember 12, 2008 Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) 1 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dies ist nicht eine Lebenserinnerung der ueblichen Art, sie enthaelt vielmehr als man erwarten koennte. Barack Obama schrieb dieses Buch bereits im Jahr 1995 und enthuellte darin seine Seele. "Dreams from My Father" so nannte er seine literarische Arbeit und sie war mehr als nur ein Versuch, sich literarisch zu zeigen. Obwohl, es ist schon der Stil, der seinen Verfasser auszeichnet und der die Leser mitnimmt. Ein Stil, der rhythmisch bewegt und alles enthaelt, was grosse Literaten auszeichnet. Man atmet mit. Das alles ist aber weissgott nicht geradezu einfach zu lesen, obwohl es einen weiterzieht in diesem grossartigen Gemaelde eines amerikanischen Lebens inmitten des ausgehenden 20. Jahrhunderts und hinein ins 21. Es ist mehr das Interessante daran, dass einiges gesagt wird und sofort gespiegelt wird in einer fast ausufernden Vernunft. Das ist sichtlich bewegend und schoen zu sehen. Alles, die Kindheit, die Jugend, die alltaeglichen Geschehnisse in vielen Erdteilen und die innere Ausleuchtung des Ganzen, also auch der Heirat seiner Eltern, die damals nicht einfach zu unternehmen war und was sich daraus ergab, das alles erscheint in einem sich spiegelnden Licht voller Hoffnung und Wendungen. Die Suche nach dem Vater also ist der eigentliche Titel und das Vorbild dieses Mannes, der sich fuer die Belange seines Volkes einbrachte und der einen grossen Wert auf Familie und Zusammenleben legte, ist wohl das Ziel und ist der Beweggrund dieses Buches. Natuerlich ist der Autor dabei auf dem Weg zu sich selbst. So entsteht ein derart buntes Gewebe amerikanischer und weltgewandter Lebensart, das alles nur noch interessant und bewundernswert genannt werden kann. Sicherlich ist von einem solchen Mann Vieles und sogar Grosses zu erwarten, wir sollten aber nicht uebersehen, dass Praesidenten, auch in Amerika, ja gerade dort im Verbund mit den Maechten stehen, die das Sagen haben. Das aber gilt ueberall auf unserer Erde und so sind unsere Erwartungen gepaart mit der Hoffnung, dass Vernunft und Liebe sich finden werden. Das ist z.B. ein schoenes Ziel. Ich selbst bin guter Dinge, was das angeht.
Sehr persoenlich und aufschlussreich November 11, 2008 Christian Sturm 11 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Stil des zum ersten Mal vor ca. 14 Jahren erschienenen Buchs ist fuer einen Politiker sehr persoenlich gehalten, der Inhalt insgesamt sehr aufschlussreich. "Ein amerikanischer Traum" beschreibt im Wesentlichen drei Lebensstationen: Barack Obamas Kindheit in Hawaii und Indonesien, dann den Beginn seiner politischen Arbeit in Chicago und schliesslich die Suche nach seiner Familie und seinen Wurzeln vaeterlicherseits in Afrika. Wer sich ein genaueres Bild des neuen amerikanischen Praesidenten machen moechte, der sollte das Buch unbedingt lesen. Seine ganze Lebensgeschichte macht deutlich, dass dies tatsaechlich mal wieder ein "amerikanischer Traum" ist, denn im Grunde koennte er als ein Amerikaner mit Migrationshintergrund bezeichnet werden: Geboren wird er auf Hawaii - weitab vom amerikanischen Festland - als Sohn einer weissen Studentin aus Kansas und eines schwarzen Studenten aus Kenia. Schon zwei Jahre nach seiner Geburt trennen sich die Eltern wieder. Die Mutter heiratet bald wieder, diesmal einen indonesischen Studenten, dem sie - zusammen mit Barack - bald in dessen Heimat (noch weiter vom amerikanischen Festland entfernt) folgt. Erst mit 10 kehrt Barack Obama nach Hawaii zurueck, wo er zunaechst von den Eltern seiner Mutter aufgezogen wird. Dies zeigt zweierlei: Erstens unterscheidet sich Obama mit seiner Lebensgeschichte ganz erheblich von den meisten Afroamerikanern, und zweitens erwarb er schon fruehzeitig weit ueber die USA hinausgehende Erfahrungen, zu denen beide Familienstraenge (vaeterlicherseits und muetterlicherseits) beigetragen haben. Diese fruehen Erfahrungen, gepaart mit einer genauen Beobachtungsgabe, mit Intelligenz und Empathie und den Grundlagen, die er bei seiner politischen Arbeit in Chicago erworben hat, haben ihn wohl zu der Person gemacht, die nun auf eindrucksvolle Weise die US-Praesidentschaftswahl gewinnen konnte.
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