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Deutschlands sexuelle Tragoedie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist

Deutschlands sexuelle Tragoedie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist

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Autoren: Bernd Siggelkow, Wolfgang Buescher
Urheber: Bernd Siggelkow, Wolfgang Buescher
Verleger: Gerth Medien

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Neu (73) Gebraucht (3) ab EUR 12,00

Bewertung: 3.5 von 5 Sternen 11 Rezensionen
Verkaufsrang: 1251

Medium: Broschiert
Ausgabe: 1
Seiten: 187
Versandgewicht: 0.6
Maße (innen): 8.4 x 5.3 x 0.7

ISBN: 3865913466
EAN: 9783865913463
ASIN: 3865913466

Publikation: September 2008
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen

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Kundenrezensionen:   Gelesen 6 mehr Rezensionen...

1 von 5 Sternen Boulevardjournalismus   November 24, 2008
Trendsetter
3 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich

Schon lange wissen wir aus der Wirkungsforschung, dass Pornografie nicht an sich, sondern nur in der Verharmlosung von Gewalt eine schaedliche Auswirkung auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben kann. Daher fordern Wissenschaftler wie der Bamberger Psychologieprofessor Herbert Selg auch eine Differenzierung des Begriffes. Nichts davon ist in der oberflaechlichen Aneinanderreihung von reisserischen Stories ueber Berliner Kids in diesem Buch zu finden. Stattdessen stellt man dort einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Pornografie und Straftaten her. Mehrfach werden Dinge behauptet, die durch das Buch selbst widerlegt sind. So heisst es: "80 % der Kinder und Jugendlichen, die schon sehr frueh sexuell aktiv waren, wuenschen sich, sie haetten noch gewartet." (S. 12) Die Quelle hierfuer wird nicht praezisiert, hingegen sind mehrfach Kinder zitiert, die ihren ersten Sexualpartner als "suess" bezeichnen und es nach dem ersten Mal immer wieder tun wollten - weil es ihnen offensichtlich Spass machte. An anderer Stelle wird berichtet, wie offenherzig sich Jugendliche vor anderen Menschen ihren Intimitaeten hingaeben - ein paar Seiten zuvor wurde freilich noch behauptet, man wuerde jugendlichen Paerchen gar nicht anmerken, dass sie eine sexuelle Beziehung haetten, weil sie unter anderen Menschen keinerlei Zaertlichkeiten zeigten. Die fluechtigen Beziehungen der Jugendlichen, ihren staendigen Partnerwechsel, fassen die Autoren zusammen mit: "Ein 'Wir' entsteht nicht. Es geschieht eigentlich etwas Bedeutungsloses." (S. 45) Dieses Fazit darf einen nicht wundern, ist einer der Autoren doch Pastor und damit dem alten Ideal einer auf Dauer und nicht primaer auf Lust ausgerichteten Beziehung verpflichtet. Doch ist seine Einstellung in der heutigen Zeit noch mehr als Wunschdenken? Alles, was nicht von langfristigen Emotionen getragen ist, gilt den Autoren als "sexuelle Verwahrlosung", ein Begriff, den sie geradezu ueberstrapazieren. Von Falschinformationen abgesehen (ein 36-Jaehriger macht sich nicht automatisch strafbar, wenn er ein Verhaeltnis mit einer 15-Jaehrigen hat, wie auf S. 100 behauptet) wird auch kraeftig gelogen, "Wissenschaftler und Hirnforscher" wuerden vor einer sexuellen Verharmlosung mit "verheerendem" Einfluss auf die Gesellschaft warnen (S. 90) - die Autoren koennen dafuer nicht eine Quelle, nicht einen Beleg benennen. Ich moechte meine Kinder nicht in jener "Arche" wissen, die die Autoren hier als Anlauf- und Betreuungsstelle fuer Kinder bewerben, wenn sie dort mit Suggestivfragen dieser Art indoktriniert werden: "Wann kommt die Richtige?" (S. 49) Das Einzige, was uns dieses Buch klarmacht ist, wie wichtig die fruehe Aufklaerung von Kindern ueber Verhuetung und Verhuetungsmittel ist, da sie, zumindest in sozial schwachen Schichten, haeufig schon lange vor der gesetzlichen Schutzaltersgrenze, also unter 14 Jahren, ihren ersten Sex haben.


5 von 5 Sternen Tragoedie statt Tabu-Ver-Lust!   November 15, 2008
Neuschaefer (Erkelenz, Rheinland)
6 aus 7 fanden die folgende Rezension hilfreich

Der Titel des Buches signalisiert eine Problematik, die auf Sexualitaet und Liebe zu reduzieren sei. Stattdessen verdeutlicht das Buch mit seiner Vielzahl (nicht unbedingt Vielfalt!) an Beispielen, dass hier junge Menschen letzten Endes ohne Lebenskompetenz dastehen und vor dem Dilemma ihrer Ohnmacht stehen, weil andere sie ausnutzen, nicht schuetzen oder einfach nur verwahrlosen lassen.

Die Tragik, die in diesem Buch zum Tragen kommt, ist dass sexuelle Reife ohne Persoenlichkeitsreife gesehen wird. Wenn junge Menschen sich "unter Wert" verkaufen oder aus Neugier oder unter Druck in eine Rolle zwingen lassen, die sie gar nicht noetig haetten, laeuft etwas schief - egal wie man im einzelnen zu Fragen von Sexualitaet und Liebe stehen sollte.

Das eigentliche Problem ist nicht die Sexualitaet an sich, sondern dass der sexuelle bzw. sexualisierte Lebensstil letzten Endes destruktiv ist.

Dies wird in den Beispielen deutlich vor Augen gemalt, die jedoch im Ganzen wie eine Aneinanderreihung wirken und zum Teil zu sehr die eigenen Moralvorstellungen bei der Beurteilung mit einfliessen lassen.

Sexsucht ist eine Realitaet unter jungen Menschen, die rein gar nichts - wie in manchen Rezensionen hier suggeriert wird - mit "Unterschicht" oder dergleichen zu tun hat. Eher im Gegenteil!

Die Frage, die das Buch aufgreifen sollte, ist letzten Endes, wie junge Menschen kompetent gemacht werden koennen, sich nicht von anderen nur sagen oder vorschreiben zu lassen, wie enttabuisiert sie ueber Sexualitaet reden, denken und sie praktizieren sollten.

Weniger ist hier sowieso manchmal mehr und malt vor Augen, dass Sexualitaet NICHT nur ETWAS an uns ist, sondern Sexualtaet UNS SELBST und unseren LEBENSSTIL widerspiegeln. Oder kurz gesagt: Ich habe nicht eine Sexualitaet, sondern ich BIN Sexualitaet.

Es ist ein Verdienst dieses Buch, eine Problematik vor Augen gefuehrt zu haben, die fuer viele in ein Leiden fuehrt.

Gerade deswegen - trotz mancher lektorerischen Schwachstellen - fuenf Sterne!

Empfehlenswert!



3 von 5 Sternen zwischen Erschrecken und Ratlosigkeit   November 3, 2008
Prof Eike Uhlich
3 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich

Zunaechst frage ich mich, ob die beschriebenen Schicksale nicht viel mehr eine zutiefst persoenliche Tragoedie eines jeden einzelnen Kindes sind, als - wie der Titel sagt - eine Tragoedie Deutschlands (oder von jedem anderen Land mit einer sozial unterprivilegierten Schicht). Sind die merkwuerdig sinn-entleerten kindlichen Sexualpraktiken denn nichts anderes als nur eines von vielen Beispielen von Defiziten? Defiziten an (Schul)bildung, Normen und Ordnung, Zuwendung und Sinngebung oder so etwas wie einem Lebensziel? Einer der Gruende fuer diese schrecklichen Zustaende: niemand spricht mit den Kindern , schon gar nicht die Eltern (wahrscheinlich tragen sie ein grosses Mass an Mitschuld fuer eben jene Situation!). Allein das Fernsehen oder besser: pornographische Videos sind die stimulierenden Ratgeber. Das Ergebnis ist die im Buch aufgezaehlte Reihe von bestuerzend aehnlichen Erlebnissen einer flachen, ja fast ritualisierten, beziehungs- und bindungslosen Kindersexualitaet. Die beschriebenen kurzen Lebensgeschichten sind fast "langweilig" in ihrem immer gleichen Verlauf, wenn sie nicht so zerstoererisch waeren fuer jedes einzelne Leben.

Am meisten jedoch beschaeftigt mich, dass es anscheinend keine Loesungsansaetze fuer diese Problematik gibt. Das verdienstvolle Angebot der "Arche", aus der diese Schicksale berichtet werden, ist ja "nur" eine symptomatische Therapie. Verdienstvoll, sicher! Aber im Grundsatz ohne Hoffnung auf eine ursaechliche Aenderung dieser schlimmen Situation. Jedenfalls sind Wege hierzu - zumindest in diesem Buch - nicht enthalten. Bitter noetig waere es! Aber vielleicht ist das zuviel verlangt? Immerhin: Der Hilferuf aus diesem Buch wird sicherlich gehoert. Gefragt sind wir jedenfalls alle. Und mit uns auch Staat und Kirchen, Organisationen und Verbaende, eben alle!



1 von 5 Sternen Oberflaechlich und unlogische Schlussfolgerungen   Oktober 21, 2008
Tobias Huch (xxx)
5 aus 19 fanden die folgende Rezension hilfreich

Das Buch ist eine schlichte Anreihung von Erlebnissen in der "ARCHE". Es beschreibt die Sexualitaet der sozialen Unterschicht. Eigentlich muessten die Autoren scharfe Kritik an den Eltern ueben, welche durch ihre offen zur Schau gestellten Sexualitaet ihre Kinder verstoeren und teils zu sexuellen Handlungen zwingen. Stattdessen wird das Internet und Pornoseiten kritisiert, welche nicht mal im Ansatz in einen Zusammenhang zu setzen sind. Sogar die Internetseiten werden falsch benannt und es wird klar, dass sich die Autoren nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Anscheinend wollte man nur schnell ein Buch auflegen, um Kasse zu machen.
Traurig, dass so ein wichtiges Thema so miserabel behandelt und abgefertigt wird.
An die Autoren: Thema verfehlt, unlogisch und dumm ... Setzen! 6!



2 von 5 Sternen Verfehlt das Thema und moralisiert.   Oktober 9, 2008
Barbellion
8 aus 14 fanden die folgende Rezension hilfreich

Dieses Buch skandalisiert und geht am eigentlichen Kern der Frage vorbei, da es im soziologisch voellig luftleeren Raum agiert. Es geht von einer normativen Vorstellung von Sexualitaet aus, die auf dem Konzept "emotionale Liebe" basiert - ein Konzept, das historisch betrachtet sehr jung ist und nicht immer den Regelfall dargestellt hat. Wir erleben nun den Wandel zu einem anderen Konzept und dies hat etwas mit den gesellschaftlichen Veraenderungsprozessen zu tun. In der (vermeintlichen) "pornokratischen Verrohung" spiegeln sich nun mal reale gesellschaftliche Bedingungen. Ebenso wie in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, hier sei etwa an das Konzept "lebenslange Ehe" erinnert, das nicht mehr zu den gegenwaertigen Akkumulationsbedingungen passt, ueberformen Steigerungs- und Konsumimperative einen gesellschaftlichen Bereich, der vorher verschont geblieben war. Und ueberall, wo dies geschieht, reagiert die Prominenz und Intelligenz mit dem Aufwaermen von "Tugenden" und "Werten".
Wenn diese Tugenden wieder herrschen sollen, dann muessen auch die gesellschaftlichen Bedingungen herrschen, die diese Tugenden ueberhaupt erst *moeglich* machen.