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Hier fuehle ich mich verstanden. Oktober 2, 2008 Apicula (Apiculis) 22 aus 22 fanden die folgende Rezension hilfreich
Heute in den fruehen Morgenstunden hat mir von meinem Vater getraeumt. Er hat gelacht. Das schoenste herzlichste Lachen, das ich von ihm kannte. Das war wie eine Befreiung; dieser Traum. Vor einigen Monaten ist mein Vater auf der Jagd toedlich verunglueckt. Nicht nur fuer meine Schwester und mich, fuer seine Brueder und alle seine Freunde ein Schock, - unsere Mutter leidet am schlimmsten unter diesem jaehen Verlust. Ich habe ihn seither nur noch auf Bildern gesehen. Auf keinem hat er so gelacht wie heute Morgen in meinem Traum. ....----------~~~~~~~~~~~*****~~~~~~~~~~~----------.... Es war schwer ein Buch zu finden, das *Hinterbliebene* auch nur irgendwie zu troesten vermag. Meine Tante und ich kamen unabhaengig voneinander auf dieses - und weil meine Tante es meiner Mutter bereits geschenkt hatte, habe ich meines behalten; obwohl ich alles andere als geneigt war mich damit zu befassen. (Vielleicht gibt es auch andere hilfreiche Buecher. Das weiss ich nicht. Ich habe keine Vergleichsmomente und verspuere auch nicht den Drang das herauszufinden.) Es gibt keinen Trost wenn jemand einfach grusslos und ohne Abschied verschwindet. Es gibt keinen. Nicht in den ersten Tagen, den ersten Wochen, den ersten Monaten. Es gibt keinen Trost! Aber auch Verbitterung und Wut sind keine grossen Helfer. Ich meine Verbitterung und Wut ueber diese traditionelle Trauerbewaeltigung, die einem einredet: "Zeit heilt die Wunden.", "Loslassen." ... und all so Sachen fuer die man keinen Kopf hat, wenn der geliebte Mensch einfach aus dem Leben verschwindet. Das moechte man naemlich alles nicht. Und darum ist es auch so unmoeglich diese Worte wohlwollend aufzunehmen... Und so unmoeglich zu verstehen ist es sowieso. Und unfair ist es auch, weil man ja noch so viel gemeinsam haette unternehmen koennen und erleben koennen, und, und, und ... Dieses Buch (ein Ansatz ueber Trauerarbeit) ist zunaechst keine Befreiung. Es loest Schmerz auf Schmerz aus und laesst sich kaum ertragen. (Das werden womoeglich nur "Betroffene" so sehen.) - Vielleicht ist es gerade darum so hilfreich? Der Autor will den Betroffenen lehren sein Leben weiter mit dem Verstorbenen zu leben; quasi den Verstorbenen nicht gleich "gehen" zu lassen und aus dem Leben auszuschliessen, sondern sich weiter mit ihm auseinanderzusetzen. Zumindest in der ersten Zeit ist das eine wertvolle Therapie. Und auch wenn man erst Wochen spaeter zu dem Buch kommen sollte, noch sehr wertvoll. Mit den Uebungen werde ich nicht warm, bzw. bin nicht in der Lage oder gewillt sie so explizit zu exerzieren, wie der Autor es wohl vorschlaegt. Das macht aber nichts. Kapitel fuer Kapitel beschaeftigt das Buch den Trauernden mit den unterschiedlichsten Konflikten oder Alltagssituationen. Kapitel fuer Kapitel werden heilsame Erinnerungen, Zusammenhaenge und Gedanken hervorgerufen; die freilich Schmerzen ausloesen. Das Wertvollste an MEINE TRAUER WIRD DICH FINDEN ist jedenfalls die Tatsache, dass der Autor nicht herablassenden, theoretisch wirkenden oder gar esoterischen "Quatsch" erzaehlt, sondern dass er von seiner Situation ausgehend genau weiss, wie ein Betroffener reagiert und was er NICHT hoeren will. Roland Kachler hat seinen Sohn auch ganz unvermittelt verloren. Man findet darum ihn ihm einen Begleiter, den man - nach Lust und Laune - an die Hand nehmen kann, und der einem viel Troestliches sagen kann zum Thema "jaeher Tod eines geliebten Menschen". Das ist es, was das Buch meines Erachtens besonders wertvoll macht. Der Prozess, dass man sich von dem Verstorbenen verabschiedet, setzt meiner Erfahrung nach dann irgendwann - vielleicht ungewollt - von alleine ein. Auch oder gerade WEIL man das nicht wollte. Ich weiss es nicht. Das entscheidet wohl jeder fuer sich selbst. Ich weiss nur, dass die bitteren Traenen mit denen ich die Lektuere jedes Mal aufs Neue bezahlt habe ein grosser Trost waren. Und das ist sehr viel mehr als ich erwartet habe.
tolles Buch August 11, 2008 trauernde Eltern (Berlin) 5 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich kann mich nur den anderen Rezensionen anschliessen. Ich habe meinen Sohn vor 2 Monaten mit 21 Jahren durch einen Unfall verloren. Dieses Buch ist wirklich sehr hilfreich, weil ich mich von meinem Sohn nicht verabschieden will und ich will ihn auch nicht loslassen. Man lebt auf einer anderen Art und Weise mit ihm weiter. Ich bin weder religioes noch esoterisch veranlagt. Die Trauer und Verzweifelung wird immer bleiben, aber man kann damit umgehen lernen. Wir sind gerade noch am Anfang eines langen Weges.
nicht loslassen... Februar 21, 2008 LeuniX 15 aus 15 fanden die folgende Rezension hilfreich
... ist das was ich will! Endlich habe ich die fuer mich richtige Lektuere gefunden, mit meiner Trauer umzugehen. Roland Kachler spricht in bemerkenswert offener Weise ueber seine eigenen Erfahrungen und das hilft mir in meiner eigenen Trauerarbeit sehr! Wir kann ich das Wesen, das mein Herz im Sturm erobert hat loslassen? Unvorstellbar! Mit diesem Buch ist mein Mann (der heute vor genau 3 Wochen mit erst 40 Jahren seinen Kampf gegen den Krebs verloren hat) mir so nah, als waere er nie von mir gegangen! Eine wirkliche Hilfe und ich kann dieses Werk von Herzem jedem empfehlen!
Bestaerkung Januar 10, 2008 Tini 125 aus 125 fanden die folgende Rezension hilfreich
~ NICHT LOSLASSEN, SONDERN DIE LIEBE BEWAHREN ~ Es gibt Dinge, ueber die spricht man nicht. Paradebeispiel: der Tod. Da werden unangenehme Gefuehle geweckt, die man nicht zulassen moechte. Die man lieber aus seinem Alltag aussperrt. Schnell das Thema wechseln - oder noch besser - die Strassenseite, sobald ein Trauernder in Sichtweite erscheint. Kein Sterbenswort ... Von den Hinterbliebenen wird erwartet, moeglichst schnell 'zur Tagesordnung' ueberzugehen. Selbst Aerzte agieren meist hilflos. Betaeuben (medikamentoes). Abhaken. Ausblenden. So die gaengige Strategie. Jeder, der nicht betroffen ist, weiss selbstredend genau, wie man eine solche Krise meistert. Staerke beweist. Nach vorne schaut. "Kopf hoch!", "Die Zeit heilt alle Wunden ...", "Das Leben muss weitergehen.", "Ihr duerft Euch nicht haengen lassen!" ... Die Reaktionen gehen von Ignoranz, ueber sinnlose und banale Phrasen bis hin zu den irrwitzigsten Kommentaren und Vergleichen mit (oder ohne) Gott und der Welt. Jeder meint es natuerlich 'nur gut'. Aber reicht das? Ist es zuviel verlangt, sich nach etwas Feingespuer, Takt und Verstaendnis zu sehnen? Mehr und mehr fuehlt man sich als Familie isoliert. Mitsamt des Toten ausgegrenzt von der funktionierenden Gesellschaft, fuer die 'alles normal weiterlaeuft'. Die Trauer ist ein individueller Prozess. Jeder sollte auf seine eigenen Beduerfnisse hoeren und dem Herzen folgen. Dazu ermutigt der Autor in seinem Werk. Viele Jahre berief sich auch Roland Kachler beim Umgang mit Angehoerigen auf allgemeine Fachliteratur. Er stellte dabei zwar immer wieder fest, dass seine Klienten nicht wirklich bereit waren, diese Empfehlungen und Ratschlaege anzunehmen, bloss loesen konnte er sich davon nicht. Es war schliesslich die Lehrmeinung der Experten. Als sein eigener Sohn im Alter von 16 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, aenderte sich seine Haltung schlagartig. Ploetzlich wurde ihm klar, dass Trauerbewaeltigung durch 'Loslassen' nicht mehr ist, als ein Davonlaufen von der Wirklichkeit. Wenn man versucht, Schmerz zu unterdruecken, ihn im Keim zu ersticken, dann wird er ewig unter der Oberflaeche brodeln. Je intensiver die Beziehung war, desto mehr wird sich die Seele dagegen straeuben. Es wird als Bedrohung empfunden, in die Zukunft zu blicken. Was sind es schon fuer Aussichten, ohne den 'verlorenen' Menschen? Gerade bei Ungluecksfaellen 'aus heiterem Himmel', bei denen junge Menschen von uns gerissen werden ... In solchen Faellen werden zwar die Tage verstreichen, aber die Narben bleiben. Wer das nicht anerkennt, der kann kein wahres Mitgefuehl entgegenbringen. Als mein 23-jaehriger Bruder am 30. September 2007 toedlich verunglueckt ist, blieb die Welt fuer mich stehen. Ich wollte gar nicht, dass sie sich weiterdreht. Niemals koennte ich ihn freigeben. Er wird mich fuer immer begleiten. Die Ueberbringung der Nachricht durch meine Eltern, der Anblick des Autowrackes, das Beruehren seines eiskalten Gesichtes im Sarg ... Roland Kachler plaediert dringend dafuer, auch traumatisierende Bilder in der Erinnerung zu behalten und sie nicht zu verdraengen. Nicht tabuisieren oder 'loslassen' - sondern die Liebe bewahren. Noch ist es unendlich schwer, die Beziehung (fernab des irdischen Daseins) neu zu definieren. Aber fuer mich gibt es keine Alternative. Ganz bewusst haben wir folgenden Spruch in der Anzeige und fuer den Grabstein gewaehlt: "Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen. Habe ich dort eine Bleibe gefunden, werde ich immer bei euch sein." ~ Rainer Maria Rilke ~ Ich habe mich instinktiv fuer diesen Umgang mit Johannes entschieden, versuche ihn einzubinden, mit ihm zu kommunizieren, ueber ihn zu reden. Bereits vor der Lektuere. 'Meine Trauer wird dich finden' wird diejenigen bestaerken, die bislang in ihrem Schicksal allein gelassen und missverstanden wurden.
Ein fundamentaler Wegweiser durch die Trauer Dezember 3, 2007 Jean-Jacques Rousseau (Augsburg, Bayern) 27 aus 27 fanden die folgende Rezension hilfreich
Um diese Rezension schreiben zu koennen (meine Erste), habe ich mir extra ein neues Passwort geben lassen, was ich fuer ein weniger beeindruckendes Buch wohl nicht getan haette. Hier redet kein Aussenstehender von oben herab ueber Dinge, die er selbst nicht kennt. Mit einer Reihe von Kontakt-Uebungen zum Verstorbenen schafft es Roland Kachler, die trauernde Seele zu troesten. Der Hinterbliebene wird nicht als "Problemfall" behandelt, wie Therapeuten es haeufig tun, sondern in seinem Verlangen nach Naehe zum Gestorbenen ernst genommen und aeusserst konstruktiv begleitet. Auch ich habe jede Menge Literatur zum Thema gelesen, nachdem meine voellig gesunde Zwillingsschwester mit 23 Jahren von einem Betrunkenen tot gefahren wurde (sie fuhr Rad und wich seinem von hinten kommenden Auto noch aus). Als aehnlich positiv wie dieses Buch habe ich nur noch "Unwiederbringlich - Vom Sinn der Trauer" von Matthias Schnegg und Monika Mueller erfahren. Aber auch deren Ratgeber laedt eher ein zur "Akzeptanz der Realitaet", eine Realitaet, die der zurueck gebliebene, schockierte Verwandte haeufig nicht hinnehmen will und KANN. "Meine Trauer wird Dich finden" hingegen nimmt den Verstorbenen buchstaeblich in den Alltag der Hinterbliebenen hinein und ermoeglicht es auf diese Weise, den endgueltig Verlorenen auf subtile Weise neu in das eigene Leben zu integrieren. Ein unersetzliches Buch, menschlich und warmherzig, das es unaufdringlich schafft, das Herz des Trauernden zu erreichen, ja zu heilen.
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