Postdemokratie | 
vergrössern | Autor: Colin Crouch Urheber: Colin Crouch, Nikolaus Gramm Verleger: Suhrkamp
Kaufen Neu: EUR 10,00
Neu (72) Gebraucht (2) ab EUR 9,00
Bewertung: 6 Rezensionen Verkaufsrang: 6715
Medium: Broschiert Ausgabe: Neuauflage. Seiten: 159 Versandgewicht: 0.3 Maße (innen): 7.2 x 4.3 x 0.4
ISBN: 3518125400 EAN: 9783518125403 ASIN: 3518125400
Publikation: September 11, 2008 Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden
| |
| Ähnliche Artikel:
|
| Kundenrezensionen: Gelesen 1 mehr Rezensionen...
Lesenswerte Thesen Dezember 1, 2008 Melot Colin Crouch legt in Postdemokratie seine These zum aktuellen sowie absehbaren Zustand der Demorkatie dar. Die Kernaussagen seiner Analyse ist dabei (stark verkuerzt) dass die wirtschaftliche zu sehr mit der politischen Elite verbunden ist, dabei zu viel Einfluss gewinnen und dadurch weitere Problemen entstehen, die die demokratische Grundpfeiler angreifen. Anders als in vorherigen Rezensionen bemaengelt wird, finde ich die Aussagen und den Stil weder sonderlich polemisch noch uebertrieben. Crouch behauptet nicht dass alle demokratischen Elemente bereits zerfallen waeren and auch seine Loesungsansaetze sind doch recht gemaessigt und weder antikapitalistisch noch in sonstiger Weise extrem. Wenn man natuerlich davon ausgeht, dass das derzeitige poltische System die Krone der Demokratie ist, wird man dies vielleicht etwas anders sehen. Ingesamt ein durchaus lesenswertes Buch. Als Kritikpunkt wuerde ich persoehnlich sehen dass Crouch sich vielleicht etwas zu sehr auf die Wirtschaft, Partein und co. konzentriert hat und andere moegliche Aspekte (wie z.B. Massenmedien) nicht aussreichend diskutiert.
Ein heisses Thema, lauwarm aufgetischt! September 29, 2008 Armin Bohg (Reutlingen) 3 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Es geht um ein beaengstigendes Thema: wie sich in den westlichen Demokratien die erst vor wenigen Generationen blutig erkaempften Rechte auf demokratische Freiheiten und Mitbestimmung des Volkes zu einer schleichenden Machtkonzentration wie zu Zeiten des Feudalismus verwaessern, und "das Volk" dabei nicht einmal murrt sondern sogar Desinteresse an den Wahlen zeigt (fuer den Spezialfall der USA behandelt Al Gore's Buch "Angriff auf die Vernunft" im Grunde das gleiche Thema). Der Autor hat sich bewusst keine neutrale Behandlung dieses Themas vorgenommen, sondern schreibt das Buch "...fuer Sozialdemokraten und alle anderen Menschen, die an das Ideal der politischen Gleichheit glauben", dies erfaehrt man jedoch erst beilaeufig auf Seite 11 und nicht schon im Klappentext des Buechleins. Leider versteht es der Autor nicht, eine klare Analyse zu praesentieren; dies liegt wohl daran dass er auf jegliche grafische Hilfsmittel verzichtet, obwohl es z.B. bei der im Buch erwaehnten Kontrolle Berlusconi's ueber die italienischen Medien hilfreich waere, ein Organigramm der in Frage kommenden Beteiligungen zu sehen. Dort wo er grafische Assoziationen wecken will ("die Entwicklung der Demokratie folgt einer Parabel", die "Ellipse der Fuehrungselite" ) bemueht er unpassendes. Auch die vielen anderen im Buch erwaehnten Umstaende bleiben ohne konkrete Zahlen, der Autor erwartet dass man ihm alle Aussagen glaubt; ein Schlagwortregister fehlt leider. Ein heisses Thema, lauwarm aufgetischt!
Von der Postdemokratie zur erneuerten Demokratie? September 22, 2008 Prof Dr Olaf-axel Burow 2 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Colin Crouch ist mit seiner These der Postdemokratie eine in wesentlichen Aspekten zutreffende Beschreibung der Verflachung der Demokratie in Zeiten neoliberaler Dominanz gelungen. Mag seine These von der Uebermacht wirtschaftlicher Eliten und deren Verknuepfung mit politischen Eliten zu einer Art Oligopol auch teilweise holzschnittartig wirken, so erhaelt sie doch durch den derzeitigen Crash des internationalen Finanzsystems eine gewisse Bestaetigung: Die Propagandisten der segensreichen Kraefte des freien Marktes scheuen ploetzlich nicht davor zurueck, hunderte von Milliarden Dollar Steuergelder einzusetzen, um Spekulanten zu stuetzen und die entgleiste Misswirtschaft verantwortungsloser Finanzjongleure zu retten. Kann man diese - durch keinerlei Mitbestimmung gerechtfertigte Enteignung der Buerger noch als demokratisch bezeichnen? Wer mehr ueber diese zweifelhaften Misstaende wissen will, sollte Crouch lesen. Prof.Dr.Olaf-Axel Burow Universitaet Kassel
Provokante Uebertreibung August 12, 2008 Paul Tiefenbach 9 aus 10 fanden die folgende Rezension hilfreich
Crouch sieht die Demokratie stark mit der Arbeiterbewegung verbunden. Deren Niedergang fuehrt auch zum Niedergang der Demokratie. Demokratie nimmt den Verlauf einer Parabel: einem steilen Aufstieg folgt ein ebenso steiler Abfall. Das ist wahrscheinlich eher als Provokation gemeint - in der Sache kann man dem kaum zustimmen. Demokratie waechst. In Lateinamerika verschwanden die Militaerdiktaturen, in Osteuropa die Einparteiensysteme. Einige Staaten Afrikas und Asien lassen Wahlen und Aktivitaeten der Zivilgesellschaft zu. In Europa, Nord- und Suedamerika finden mehr und mehr Volks- und Buergerentscheide und Buergerbeteiligungverfahren statt - erwaehnt sei beispielsweise der Beteiligungshaushalt der suedbrasilianischen Metropole Porto Alegre. Vor diesem Hintergrund wirkt Crouchs These vom Untergang der Demokratie ziemlich abwegig. Natuerlich ist viel am Zustand der Demokratie auch in Europa zu kritisieren. Ein Vergleich der zweifellos maengelbehafteten europaeischen Demokratien aber etwa mit den arabischen Diktaturen macht deutlich, dass von einer Postdemokratie bislang kaum die Rede sein kann. Eine von ihm behauptete Tendenz zum Schlechteren ist zumindest nicht durchgaengig erkennbar. So wird der ermordete hollaendische Rechtspopulist Pim Fortuyn als Beispiel fuer die Postdemokratie dargestellt (S. 40). Tatsaechlich gab und gibt es solche Figuren immer in Demokratien - anders als vor 70 Jahren koennen sie in Europa heute aber keine Mehrheiten mehr gewinnen. Trotz der uebertriebenen Verallgemeinerungen lohnt die Lektuere des Buches, denn Crouch kritisiert ueberzeugend und kenntnisreich den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf die staatlichen Institutionen. Verstand sich zu Hochzeiten der Arbeiterbewegung der Staat zumindest gelegentlich als Baendiger des Kapitalismus, so kommt es heute in der Tendenz zu einer Verschmelzung von Unternehmen und Staat. Konkret drueckt sich das aus in der Zunahmen sog. Public-Private-Partnerships oder - wie unlaengst auch in Deutschland bekannt wurde - in der direkten Mitarbeit von Unternehmensangestellten in Ministerien. Dies bringt in der Tat "eine besondere Klasse von Unternehmen mit privilegiertem Zugang zu politischen Entscheidungstraegern hervor". (S. 120) In diesem fuer ihn zentralen Punkt hat er voellig recht - nur, dass in eine Gesamtbewertung der Demokratie auch andere Aspekte einfliessen sollten. Paul Tiefenbach
Die Transformation der Demokratie revisited Juli 17, 2008 Joachim Rock (Berlin) 15 aus 19 fanden die folgende Rezension hilfreich
Man muss sich "Postdemokratie" als einen polemischen Essay vorstellen. Als solcher ist die 2003 erstmals veroeffentlichte Darstellung gelungen. Als Sachbuch funktioniert sie nicht. Der Autor, der Politikwissenschaft an der University of Warwick lehrt, bezeichnet als "Postdemokratie" ein politisches System, in dem der einer Gestaltung durch die Buergerinnen und Buerger zugaengliche Raum auf Reservate reduziert ist. Formal, so die These des Autors, finden freie Wahlen statt. Tatsaechlich werde die Bevoelkerung durch die Medien manipuliert. Die Entscheidungsmacht laege in der Postdemokratie nicht mehr in erster Linie bei der Bevoelkerung, sondern vor allem in der Hand von Wirtschaftslobbyisten und Expertengremien. In vielen Teilen erscheint das Buch als Remake des 1967 von Johannes Agnoli veroeffentlichten Aufsatzes "Die Transformation der Demokratie", der immerhin den Vorzug hat, dass Agnoli im Gegensatz zu Crouch nicht versucht, die Entwicklungen mittels des Konstrukts der "Ellipse" unter eine geometrisches Politikkonzept zu subsumieren. Crouch konstatiert selbst , dass er mit "auf den ersten Blick (...) erschreckend widerspruechlichen Schlussfolgerungen" (141) hantiert. Ein anderer Einwand gegen dieses Werk: Politik entwickelt sich offensichtlich haeufig nicht so, wie es nach Crouch, der von der "unvermeidlichen Entropie der Demokratie" ausgeht, zu erwarten waere. Offenbar nimmt die Politik weiter eine eigensinnige Entwicklung, und das ist auch ganz gut so.
|
|
|